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Atlantis der Alpen - mit dem Rennrad rum um den Klopeiner See

Atlantis der Alpen - mit dem Rennrad rum um den Klopeiner See

08.05.18 14:45 5.219Text: Luke BiketalkerFotos: Erwin HaidenWo sich seit Tausenden von Jahren Stämme und Kulturen ansiedeln, dereinst unter Umständen gar die sagenumwobene Stadt Noreia lag, dort kann man doch auch für einen gediegenen Rennradurlaub so falsch nicht liegen? Ein Besuch im Sonnenwinkel Kärntens ...08.05.18 14:45 5.225

Atlantis der Alpen - mit dem Rennrad rum um den Klopeiner See

08.05.18 14:45 5.225 Luke Biketalker Erwin HaidenWo sich seit Tausenden von Jahren Stämme und Kulturen ansiedeln, dereinst unter Umständen gar die sagenumwobene Stadt Noreia lag, dort kann man doch auch für einen gediegenen Rennradurlaub so falsch nicht liegen? Ein Besuch im Sonnenwinkel Kärntens ...08.05.18 14:45 5.225

Wären wir der Sprache des Wassers mächtig, die Gewässer des Klopeiner Sees hätten uns wohl manch Anekdote aus mehreren tausend Jahren Menschheitsgeschichte zu erzählen. Schließlich finden sich unweit des wärmsten Badesees Österreichs die bis dato ältesten Besiedelungsspuren Kärntens.
Im Burgberg von Griffen - heute vielen als Autobahnraststätte ein Begriff - belegen Steinwerkzeuge aus der Altsteinzeit, dass unsere Vorfahren bereits vor 30 bis 40.000 Jahren den Sonnenwinkel Kärntens für sich entdeckten. Rund um Maria Saal, das Jaun- und Lavanttal häufen sich Funde ab dem 3. Jahrtausend vor Christi. Gut und gerne 2.700 Jahre später haben sich mehrer keltische und illyrische Stämme unter der Führung der Noriker zusammengeschlossen und das mächtige Reich Noricum errichteten.

 Stolzes Schloß, vom Stein dem grauen,
Spähst du in die Lande weit
Über Felder, Wälder, Auen
- Märchentraum verklungener Zeit.
Vesten, die in Trümmer sanken,
Trauern westwärts, altersmüd
Felsensaum der Karawanken
Taucht aus blauem Duft, fern, Süd .... 

Burghymne Hochosterwitz; Carl Graf Oberndorff

Vieles deutet darauf hin, dass dessen sagenumwobene Hauptstadt Noreia, gerne auch als Atlantis der Alpen bezeichnet, über den Ufern des Klopeiner Sees am Gracarca wachte. Auch Römer, Slawen, Franken und Baiern (die damalige Schreibweise kannte noch kein "y") sowie die Habsburger ließen sich hier im äußersten Süden Österreichs über die Jahre nieder, und selbst die Türken versuchten mehrfach ihr Glück.
Nun mag man unseren Urvätern, wie auch uns, ja vieles vorwerfen können; nicht zu wissen, wo es sich schön leben lässt, zählt aber wohl kaum dazu.

40.000 Jahre nach den ersten menschlichen Schritten watscheln nun wir in unseren noblen Rennradtretern ungeschickt die Uferpromenade des Klopeiner Sees entlang. Wir haben uns hier am Westufer vor dem See & Genuss Hotel Silvia mit Neo-Kärntner und Rennrad-Guide Ryan Evans verabredet. Bereits vor Jahren saßen wir gemeinsam mit Ryan, wenn auch nur sehr kurz, im Sattel; diesmal will uns der Waliser drei Tage lang in die Tiefen seiner Wahlheimat entführen.
Bis vor Kurzem, so erzählt Ryan, waren die Überreste des ungewöhnlich strengen Winters noch weithin zu sehen. Gerade rechtzeitig vor unserer Ankunft stiegen die Temperaturen im selbsternannten Sonnenwinkel dann doch, weshalb uns der See in seinen schönsten Frühlingskleidern begrüßt. Über 20 Touren habe er während der letzten Jahre zusammengetragen und immer weiter verfeinert, führt unser Begleiter gemächlich entlang der Promenade losrollend aus. Allein zehn, mitunter recht anspruchsvolle, kamen dieses Jahr hinzu. Stets möglichst verkehrsarm und gerne mit Aussicht, kostete es viel Zeit und Muße, all die Nebensträßchen Südkärntens in lohnende Rundfahrten zu schnüren. Ryans Mission für die zweieinhalb Tage unseres Aufenthaltes: uns durch ein kleines Best-Of seiner Entdeckungen führen ...

Ein vorsichtiges Kennenlernen

Im Schatten eines kleinen Wäldchens verlassen wir am frühen Nachmittag leicht ansteigend den Klopeiner See. Die ersten Meter auf Kärntner Boden führen uns vorbei an den ruhigen Campingplätzen des benachbarten Turnersees.
Ob des jüngsten Windbruchs reicht der Blick teils bis hinüber zum sogenannten Sablatnigmoor. 1.700 Tier-, 300 Pflanzen- und gut 170 teils seltene Vogelarten finden ebendort im Naturschutzgebiet Unterschlupf. Gerne hätten wir den fleischfressenden Sonnentau in Aktion erlebt, doch für einen Abstecher bleibt keine Zeit. Stattdessen geht es für uns leicht wellig und so gut wie ohne Verkehr 'gen Müllnern, von der Vellach in Respektabstand begleitet schließlich nach Gallizien.

Auf direktem Weg zur Annabrücke, unserem ersten Kontakt zur prägenden Drau, wechselt die Landschaft am unmittelbaren Wegesrand zum ersten Mal ihren ansonsten hügeligen Charakter. An den fernen Talrändern sind die hohen Berge allgegenwärtig. Doch hier, am Ufer der Drau, erzählen senkrechte Felswände über unseren Köpfen von den gewaltigen Kräften längst verschwundener Gletscher. Auf ihrer Wanderung hinterließen sie tiefe Spuren in den Hängen des Skarbin sowie der gesamten Sattnitzkette. Immer wieder brechen mächtige Klippen durch die sonst dicht bewaldeten Hänge.
Unmittelbar nach Überqueren der Annabrücke am Fuße des Schloss Saager zweigt eine kleine Nebenstraße 'gen Kosasmojach - ja, das liegt auf österreichischem Boden - ab. Den verlockenden Sprung ins kühle Nass des bogenförmigen Linsendorfer Sees auf halben Weg kann Ryan nur Hartgesottenen empfehlen. Die Stille und Einsamkeit mancher Badeplätze dürfte hingegen einem größeren Publikum gefallen.

Entlang der spärlich befahrenen Miegerer Landesstraße erwarten uns sanft, aber beständig, die ersten echten Höhenmeter des Tages. Kurz nach Überschreiten des Kulminationspunkts kennt Ryan noch einen schweißtreibenden Abstecher zur Linken. Deutlich steiler als zuvor, mit wiederkehrenden Serpentinen gespickt, klettern wir nun schwer atmend über einspurigen Asphalt der versprochenen Aussicht entgegen - oder eben dem Kaffe, wir alle haben schließlich unterschiedliche Prioritäten.

Als nicht mehr so ganz geheimer Geheimtipp unter den Klagenfurtern weiß die Jausenstation Mickl droben am Hochplateau des Radsbergs mit zünftiger Brettljause, gewaltigem Bergpanorama hinüber zum Hochobir und Blick über das gesamte Rosental aufzuwarten. Zwar lediglich 800 Meter über dem Meer gelegen, dient das Plateau ob seiner Thermik Paragleitern als beliebter Startpunkt.
Leider zeigt sich jedoch der Himmel von seiner eher dramatischen Seite. Der einzig bunte Schirm ist jener des gemütlichen Pavillons, und auch die vielverprechende Speisekarte bleibt uns verwehrt - das Tageslicht beginnt langsam aber sicher gegen uns zu arbeiten.

Eine rasante Talfahrt später finden wir uns in der hügeligen Weite wieder. Entlang von Nebenstraßen und Fahrradwegen bietet uns die eben überschrittene Gurk in sicherer Distanz ihr Geleit, ehe sie unscheinbar in den Ufern der weit gereisten Drau versiegt. In der Ferne grüßt die Wehrkirche Tainach, ehe der Hafen Dullach auch für uns die Rückkehr ans andere Flussufer und ins Jauntal markiert.
Einen finalen, dafür umso einsameren Anstieg später zieht, wie so oft in Kärnten, eine Kirche unsere Aufmerksamkeit auf sich. Unweit des Klopeiner Sees thront die Pfarrkirche Stein auf den Überresten einer alten Wehranlage über dem gleichnamigen Dorf. Mit passendem Schuhwerk ließen sich auch die paar Meter des alten Kreuzwegs erklimmen, doch in der Ferne ist bereits der Ruf des in der Vorsaison noch herrlich ruhigen Hotelstegs zu vernehmen. Nach zeitweiliger Abstinenz ist nämlich die Abendsonne zurückgekehrt und treibt uns nun mit Vehemenz Richtung Sundowner und Sonnenbad.

 You can have enough bad days - so make the most of the good days spent in good company. Quote Ryan 

Rennrad-Guide Ryan Evans

Abstecher ins Lavanttal

Charmant ausgedrückt nachhaltig satt, manch böse Zunge behauptet überfressen, scheucht uns Ryan tags darauf vom liebevoll angerichteten Frühstücksbuffet auf die Räder. Die gestrigen 55 Kilometer erschienen zum Einrollen „fair enough“, wie es unser Guide sagen würde. Doch heute, wo wir doch den ganzen Tag über Zeit haben, scheint ihm eine Runde jenseits der 100-km-Marke angemessen.
Die meisten seiner Touren, so erzählt der praktizierende Heilmasseur im engen Lycra, seien das Produkt unzähliger Irrfahrten über Radwege, Hauptverkehrsadern, Nebenstraßen und einsame Güterwege.

Blickt man auf Südkärnten, sieht man auf den ersten Blick Petzen, Obir und Hochobir, die Karawanken und sonstiges Bergland. Erst im Sattel sitzend wird einem die beinahe schon amerikanische Weite klar, in der man sich über Hügel schwebend zwischen Drau und Lavant, den unzähligen Seen, Burgen und Kirchen sowie jenen prägenden Gebirgszügen bewegen darf.
Ohne ortskundigen Begleiter wäre es wohl ein reines Glücksspiel, die wahren Schätze der Region zu finden. Daran interessierten Gästen nimmt sich Ryan im Rahmen der Activ Card Südkärnten jeweils dienstags und donnerstags an. Seine kostenlosen Seen Fitness Rennradtouren seien Urlaubenden jedenfalls ans Herz gelegt.

Entlang des Nordufers und über den am Westufer des Klopeiner Sees angelegten Pumptrack lassen wir St. Kanzian hinter uns. Ob die edlen Lightweight-Laufräder die ersten ihrer Art waren, die am in Form gebrachten Schotter ihre Runden zogen?
Einspuriger Asphalt vor, nette Gesellschaft und frühlingshafte Morgenluft um uns. Den Großteil des Tages werden wir heute auf ruhigen Pfaden verbringen. So schlängeln wir uns bald auf Nebenstraßen und Radwegen Richtung Bleiburg und vorbei an der Petzen. Rundum ragen kleine Inseln, gebaut aus Fels und Wald, aus der imposante Weite des Ackerlandes empor. Fast so, als hätte jemand einem gewaltigen See den Stöpsel gezogen. Auf fast jeder dieser Inseln steht eine Kapelle, am Gros der Gabelungen finden sich Materl und Kreuze. Wenig verwunderlich, dass der zeitgenössische Schriftsteller Peter Handke poetisch vom „Jaunfeld“ schwärmte, als er über das uns umgebende Jauntal und dessen offenen Charakter im groben Kontrast zur Petzen sinnierte.
Wie so vieles hier in der Gegend geht übrigens auch das Jauntal, oder zumindest dessen Bezeichnung, auf längst versunkene Kulturen zurück. Vermutlich nach dem keltischen Stammesgott Jouenat benannt, lag hier im Tal vor langer Zeit die antike römische Siedlung Juenna. Über die Jahrhunderte verfälscht und von Dialekten geprägt, wurde daraus das heutige „Jaun“.

Hinter Bleiburg und entlang kleiner Dörfer beginnt sich die Feistritz tiefer in die Landschaft einzuschneiden. Bei Aich schon fast eine Schlucht, überspannt ebendort eine 140 m lange und 45 Tonnen schwere Hängebrücke den ungebändigten Wasserlauf. Eigens zur weiteren Erschließung des Drauradweges erbaut und nach der benachbarten Kirche St. Luzia benannt, stellt das wankende Holzkonstrukt ein Unikum auf heimischem Boden dar. Ob der pendelnden Eigenheiten solcher Brücken dürfen - entsprechende Schwindelfreiheit vorausgesetzt - Rad und Fahrer nur schiebend von einer Seite zur anderen.
Oder man bleibt, so wie wir, am der slowenischen Grenze zugewandten Ende und folgt der Bundesstraße gen Lavamünd. Am Beginn der kurzen, aber flotten Abfahrt hinab zur Drau unterbrechen Sichtbeton, Stahl und Glasflächen den Fluss der Landschaft. Halb liegend, halb schwebend, hängt das Museum Liaunig an einer Anhöhe am Ortsausgang von Neuhaus. Hier findet sich eine der umfangreichsten Sammlungen heimischer Kunst ab 1945, ergänzt durch Vertreter der klassischen Moderne bis hin zu Briefmarken der österreichischen Monarchie.

Am mit 348 m tiefsten Punkt Kärntens mündet die Lavant in die Drau und wir überqueren bei Lavamünd den vereinten Strom. Eine von Ryans Zufallsentdeckungen, der R10, begleitet einsam die Lavant entlang einer aufgelassenen Bahntrasse hinein ins weit über die Grenzen hinaus bekannte Lavanttal. Eingebettet von Koralm im Osten und Saualm im Nordwesten, rollen wir eben und verkehrsbefreit durch die Apfel- und Mosthochburg. Obacht: Argusäugige entdecken hier mitunter noch vereinzelte Streuobstwiesen.
Bei St. Paul, übrigens der Heimatgemeinde von Ö3-Callboy Gernot Kulis, stoßen wir auf der Suche nach einer kleinen Stärkung auf einen gemütlichen Gastgarten direkt unter dem Stiftshügel der Benediktinerabtei. 1091 erbaut, ist die Burganlage des Benediktinerstifs St. Paul das älteste noch aktive Kloster in Kärnten. Neben einer der größten Kunstsammlungen Europas beherbergt das Stift auch eine umfangreiche und bedeutende Bibliothek, welcher wir jedoch, vor die Wahl gestellt, die überraschend noblen Genüsse des Gasthof Poppmeier vorziehen.

Gebratene Hünerfiletstreifen auf leckerem, mit Äpfeln aufgepäppeltem Salat, dazu Mango-Chutney, in der Region angebauter Spargel und gebackene Topfenreinkalan sind allerhand, wenn man sich eigentlich schon mit einem Fitnessteller zufrieden gegeben hätte.
Topfenreinkalan sind kein Begriff? Dabei handelt es sich um eine Kärntner Spezialität aus zerstampften Erdäpfeln, Topfen, Ei und Salz. Zu kleinen Leibchen geformt, werden daraus im Backrohr wahre Gaumenfreuden. Schade nur, dass nicht mehr Zeit bleibt, sich der Speisekarte anzunehmen und Ryan dazu mahnt, nicht zu deftig zu essen.

Mit der Bastei im Rücken und von unzähligen Hügeln umgeben passieren wir im Granitztal eine der vielen Baustellen des Langzeitprojekts Koralmbahn. Der Aushub könnte hier glatt selbst als Berg durchgehen, derart hoch drängen sich die Erdmassen, in deren Schatten wir die Tunnelschächte passieren.
Wenige Meter später beginnt Ryans ernährungstechnischer Einwand Gestalt anzunehmen. Die kommenden 15 Minuten verbringen wir großteils im Wiegetritt. Ein, wie es der Waliser kategorisiert, "stiff climb" bringt uns aus dem Lavanttal zurück in den östlichsten Teil des Jauntals - tatsächlich einer der wenigen Anstiege der Tour, die man bewusst wahrnimmt. Dass sich im hügeligen Geläuf am Ende des Tages 1.200 Höhenmeter ansammeln würden, offenbart erst ein Blick in die GPS-Tracks.

Im ständig sanften Auf und Ab, vorbei an Feldern und kleinen Wäldchen schlängeln wir uns kontinuierlich an den Völkermarkter Stausee heran. Selbst im Juli erreicht dieser kaum die 18-Grad-Marke ... neben den bis zu 29 Grad des Klopeiner Sees beinahe ein Gletscherbach.
Entsprechend wenig Badegäste tummeln sich an seinen Ufern. Dafür sind die Ruderer ungewöhnlich stark vertreten. Kein Wunder, hat doch Olympiasechste und Gesamt-Weltcup-Siegerin Magdalena Lobnig hier ihr Heimrevier.

Nach Überqueren der Draubrücke übernimmt unser Begleiter die Führung. Im kaum wiederfindbaren Zickzack der Gässchen entlang winziger Dörfer, durch dunkle Gräben und noch viel dunklere, weil unbeleuchtete, Tunnel, vorbei an Feldern und Höfen erblicken wir plötzlich wieder den See.
Obwohl erst Mitte April, scheint es nach einem langen Tag im Sattel nun schier unmöglich, der strahlenden Sonne und dem kühlen Nass noch länger zu widerstehen. Notiz an uns selbst: Wenn nachmittags im wärmsten See der Alpen niemand, wirklich gar niemand schwimmt, hat dies durchaus seine jahreszeitlich bedingten Gründe ...

Zur Burg Hochosterwitz

Mit noch mehr historischem Boden zum Ziel lotst uns Ryan, selbst übrigens als damals noch aktiver X-Terra Athlet erstmals an den Klopeiner See geraten, am dritten Tag vorbei am Kitzelberg nach Südwesten. Frühmorgendlich zapfig, erst im Wald, mit Sicht auf Gallizien und die vom ersten Tag bekannten Felswände des sonst so bewaldeten Skarbin, bald freier, beginnt unser Ausflug zur Burg Hochosterwitz wenig schweißtreibend und eher hangabwärts.
Auf Niveau der Drau und neuerlich über die Annabrücke fahrend gilt es, rund zwölf Kilometer auf waschechter Bundesstraße zurückzulegen. Eine unserem Zeitbudget geschuldete Notlösung, eigentlich würde sich die Route auch hier durchs Hinterland des Hinterlandes schlängeln. Bis Grafenstein gedulden wir uns im Verkehr - nach zwei ungestörten Tagen beinahe schon lästig.
Doch der Kulturschock hält nicht lange an. Unweit der Hauptstadt Klagenfurt zeigt Ryan einen Abbieger ins nächste Sträßchen an, das man alleine wohl niemals fahren würde, da es doch bestimmt ins Nirgendwo führt. Es wird deutlich ländlicher als bisher, mit noch sanfteren Hügeln und Wellen und umso weiterem Blick. Das Klagenfurter Becken weiß mit seinem bäuerlichen Charme zu begeistern. Daran ändern auch vermeintlich mondän gewählte Ortsnamen wie Klein Venedig wenig. Eher legen sie dem ganzen ein Schippchen obendrauf.

Hinter und neben uns wird immer und immer wieder der Blick auf die Bergketten im Süden frei. Von so mancher Kuppe scheint der ganze Horizont mit teils noch schneebedeckten Gipfeln erfüllt. Ausgehend von der Petzen über Obir, Hochobir und die Klagenfurter Alpen bis hin zu den Ausläufern der mächtigen Julischen Alpen erstreckt sich der Blick.
Auch dem römischen Kaiser Claudius dürfte besagtes Panorama zugesagt haben, ließ er doch hier am Gemeindegebiet des heutigen Maria Saal im 1. Jahrundert n. Chr. die Provinzhauptstadt Virunum errichten. Die Siedlung am Magdalensberg im Zollfeld verdammte damit die sagenumwobene Hauptstadt Noreia zum seither im Ungewissen verschollenen Atlantis der Alpen.

Nur wenige kurze Anstiege unterbrechen das vorwiegend flache Streckenprofil der Hochosterwitz-Runde. Kurz nach St. Donat lässt einer dieser knackigen Schupfer wie aus dem Nichts unser Tagesziel in den Himmel wachsen.
Die steinerne Burg wacht auf einem 175 Meter hohen und völlig freistehenden Dolomitfelsen über das Umland und hat auch Jahrhunderte nach ihrer Blütezeit nichts von ihrer monumentalen Präsenz eingebüßt. Nicht weniger als 14 Tore säumen den in Fels gehauen und kreisförmig angelegten Weg hoch zur Hauptburg Hochosterwitz. Bemerkenswert stabile Besitzverhältnisse halten die Festung übrigens schon seit 1571 (!) in den Händen der Familie Khevenhüller.

Gigantische Speckbrote, allerhand süße Naschereien und Espresso, den selbst unser sonst so kritischer Fotokünstler wohlwollend schlürft. Im Schatten der Burg Hochosterwitz, direkt neben deren von Souvenieren triefenden Eingang und dem kürzlich - nicht zur Freude aller - eröffneten Lift tanken wir im Gastgarten des Cafe-Restaurant Tatzer frische Energie.
Drei Tage sind verdammt wenig Zeit, das wird uns auf unserem Rückweg durchs Gurktal und weiter durch die Einschicht nach Pörtschach bewusst. Eindeutig zu kurz, um die Vielfalt der Rennradmöglichkeiten rund um den Klopeiner See und Südkärnten abzudecken. Schließlich waren wir bisher nur in den Hügeln und im Flachland unterwegs. Die uns ständig begleitenden Berge mit ihren versteckten Pässen, das slowenische Grenzgebiet - all dies läge noch vor uns.
Grund genug, nochmal wiederzukommen - gerne auch mit Kind und Kegel. Schließlich empfehlen sich die warmen Badeseen, das gute Wetter und die einsamen Straßen auch zum Familienurlaub mit dem gewissen Rennradplus ...

Good to know
Bei vielen - zu Unrecht - noch nicht auf der eigenen Rennradkarte erschienen, wissen Südkärnten und der Klopeiner See mit abwechslungsreichen Touren entlang einsamer Straßen und mächtigen Ausblicken Entdecker durchaus zu belohnen.
Wer nur wenig Zeit mitbringt, sollte sich ob des verzweigt genähten Straßennetzes in die Obhut eines ortskundigen Guides wie Ryan Evans begeben, um nicht wie das antike Atlantis der Berge im Straßengewirr zu verschwinden.

Gerade im Hochsommer herrscht rund um den Klopeiner See Hochbetrieb. Kein Wunder, erreicht der See doch bis zu 29° C Wassertemperatur.
Zwischen Ende April bis tief in den Oktober hinein finden Radfahrer beste Bedingungen vor. Wer ohne Familie nur des Radfahrens wegen anreist, ist wohl in der Nebensaison mit mehr Ruhe gesegnet.

Mittlerweile haben sich gemeinsam mit Roadbike Holidays drei Betriebe auf Rennradfahrer spezialisiert:
  • Das familiäre See & Genusshotel Silvia liegt direkt am See, das zuvorkommende Personal serviert Getränke bis hinaus auf den hoteleigenen Badesteg.
  • Das Hotel & Spa Sonne liegt unmittelbar daneben und hilft Familien mit hauseigener Kinderbetreuung aufs Rad.
  • Das Hotel Marko ist ein paar Gehminuten vom See entfernt - dafür mit Tennisplätzen, eigenem Pool und Fitnessraum ausgestattet.

Ein Mann mit vielen Talenten
2009 ist der ehemals als Basketballspieler in die USA ausgewanderte Ryan Evans in seiner zweiten Karriere als X-Terra Athlet erstmals an die sonnigen Ufer Südkärntens gespült worden. Der Liebe (zu Landschaft und vielleicht auch einer Frau) wegen ließ er sich schließlich 2014 nahe des Klopeiner Sees nieder.
Seither kümmert er sich um die rennradtechnischen Belange im Urlaubsparadies. Im Rahmen der Aktiv Card Südkärnten und als Teil des Seen Fitness Programms organisiert er jeden Dienstag und Freitag zwei Rennradtouren. Heil- und Sportmassagen hat der sympathische Waliser übrigens auch in seinem Repertoire.

Die Aktiv Card Südkärnten steht mit Mai 2018 übrigens allen Gästen teilnehmender Betriebe der Region zur Verfügung. Das kostenlose Angebot umfasst über 40 Aktiv-Angebote, die täglich wechselnd von Montag bis Sonntag organisiert werden. Neben geführten Bike- und Rennradtouren in diversen Schwierigkeitsgraden stehen unter anderem Stand Up Paddeln, Golfen, Wanderungen und Schnupperklettern am Programm. Mehr Informationen dazu gibt es auf der Homepage des TVB: www.klopeinersee.at.

Veranstaltungen und Events:
  • 20.05: Familien Seefest
  • 02.-03.06: Tour de Kärnten
  • 06.07: See in Flammen
  • 27.07: Sommer-Seefest
  • 14.08: Lichter-Seefest
  • 06.09: Genuss-Seefest
  • 16.09: Half Ironman Klopeinersee

Ergebnis 1 bis 13 von 13
  1. #1
    Registrierter Benutzer
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    krieglach
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    Atlantis der Alpen - mit dem Rennrad rum um den Klopeiner See

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  2. #2
    Schokoholiker Avatar von chriz
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    Ein schönes Fleckchen Erde

  3. #3
    rund und gsund Avatar von NoFlash
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    Rust
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    ich muss gestehen, Noreia musste ich erst googeln, aber die Gegend ist wirklich traumhaft. und wenn man dann noch abseits von Kraftfahrzeugen radfahren kann, schein es fast ein Paradies zu sein

  4. #4
    langsam alt Avatar von hermes
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    die fotos machen wirklich lust auf einen besuch.
    2RC°395

    www.selberbruzzler.at
    www.facebook.com/Selberbruzzler

    i tät gern so gscheit radlfahrn können, wie i deppat reden kann

  5. #5
    Jalla Jalla! Avatar von bs99
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    Perfekt! Ende August geht’s für 10 Tage an den Klopeiner See, da kommt der Bericht gerade recht!
    SUCHE: Carbon Hochprofilfelge Clincher 24h
    VERKAUFE: Freeride Ski Scott Stunt 196, Stoanatourenski Blizzard 185 mit Fritschi Freeride

  6. #6
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    krieglach
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    Auf jeden Fall im August Rennrad und MTB einpacken, sofern Platz im Auto dafür ist. Mit dem Bike kann man nämlich drüben in Slowenien Stollenbiken, wenns draußen zu heiß wird

  7. #7
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    Unser Ziel ist auch der Klopeiner See. Jetzt meine (unverschämte?) Frage: Gibt es von den Touren GPX-Dateien, damit das streckenweise nachfahren können?

  8. #8
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    zwischen alpen und karawanken
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    Der Radius der klopeinerseeumrundung is aber a bisl arg gross bemessen.....

  9. #9
    Für weniger Pelz Avatar von Sonny
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    Zitat Zitat von whitestone Beitrag anzeigen
    Unser Ziel ist auch der Klopeiner See. Jetzt meine (unverschämte?) Frage: Gibt es von den Touren GPX-Dateien, damit das streckenweise nachfahren können?
    +1

  10. #10
    Für weniger Pelz Avatar von Sonny
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    Hä, da war doch ein Link von eurem Rennrad-Guide zu seiner Website mit den Touren im Forum, oder? Wo ist der denn hingekommen?

    Edit: weiß nicht mehr, ob es dieser war, aber hier findet sich das Meiste: https://www.outdooractive.com/de/ren...unde/16231647/
    Geändert von Sonny (16-07-2018 um 15:56 Uhr)

  11. #11
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    krieglach
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    Zitat Zitat von Sonny Beitrag anzeigen
    Hä, da war doch ein Link von eurem Rennrad-Guide zu seiner Website mit den Touren im Forum, oder? Wo ist der denn hingekommen?

    Edit: weiß nicht mehr, ob es dieser war, aber hier findet sich das Meiste: https://www.outdooractive.com/de/ren...unde/16231647/
    Da sind einige Touren drinnen - http://alpregio.outdooractive.com/ar...p#tab=ToursTab

    Aber Link herausgenommen hatten wir eigentlich keinen. Unser Guide war Ryan Evans. Es gibt einen Folder aus Papier, auf dem seine (13?) Touren drauf sind...

  12. #12
    rastet & rostet Avatar von schwarzerRitter
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    War heuer auch schon dort.
    Wohnwagen am Turnersee abgestellt und dann die Gegend erkundet.
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  13. #13
    Für weniger Pelz Avatar von Sonny
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    Kurz zur Info: bin gerade am Klopeiner See. Von den geplanten Touren gingen sich wetterbedingt (und auch Arschknochen des Sohnemanns geschuldet) zwei Touren aus:

    (1) Tag1 ging runter nach Eisenkappl und dann in die Trögener Klamm. Sehr sehr nett! Diese Tour wurde mir von meinem Radlshop-Chef (Kärntner) empfohlen.
    (2) Tag 2 war bewusst flach gewählt, weil wir - trotz Verkehr - mal bissl Wörtherseeradeln wollten. Wir sind vom Klopeiner See das Südufer entlang bis Velden und retour (über Gallizien). Waren 105 km.

    ...dann wurde es gewittrig und nass. Heute zwar mal sehr sonnig und durchaus Radlwetter, aber wir wollten zumindest 1x den See sehen und spüren und außerdem ist mein Mitradler eh schon ein wenig müde. Zum letzten Mal ist er als Kind Mountainbiken gewesen.

    Ad Hotel: wir sind im Marko. Publikum alles andere als sportiv. Warum das Hotel als "auf Rennrad spezialisiert" zählt, weiß ich noch nicht wirklich. Der Radlkeller ist mini. Da haben vielleicht sieben Radl Platz. Die einzigen wirklichen Sportler hier, sind wir. Ein zwei Ebikes, Tennisspieler ...im Großen und Ganzen jedoch eher Wanderer, Pensionisten, Familien. Service ist schlecht (ebenso wie das WLAN ;-). Frühstück ist ok, zu Abend gegessen haben wir erst einmal (heute folgt der zweite Test) ...aber bei beiden hat es danach ordentlich gerummelt im Magen. Leichte Skepsis macht(e) sich schon breit.