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E-Biken in der Jungfrau Region

E-Biken in der Jungfrau Region

21.08.19 09:09 54Text: MOtomannFotos: Thomas Knecht, MOtomannFlyer lud zur Rundtour in die Schweizer Alpen - und jede Menge Kühe, Filmhelden und Asiaten kamen mit. Unser Mann fürs Motorisierte berichtet von drei Tagen zwischen Bergriesen, Postkartenkitsch und Spitzenkulinarik.21.08.19 09:09 3.387

E-Biken in der Jungfrau Region

21.08.19 09:09 3.387 MOtomann Thomas Knecht, MOtomannFlyer lud zur Rundtour in die Schweizer Alpen - und jede Menge Kühe, Filmhelden und Asiaten kamen mit. Unser Mann fürs Motorisierte berichtet von drei Tagen zwischen Bergriesen, Postkartenkitsch und Spitzenkulinarik.21.08.19 09:09 3.387

Beim Stichwort „Jungfrau Region“ erinnere ich mich an alte Schwarzweiß-Filme aus der Mitte des letzten Jahrhunderts, und mit ihnen an die Tragödien, die sich bei den ersten Versuchen die Eiger Nordwand zu durchsteigen, abgespielt haben. Ich habe noch die Szenen vor Augen, wie Gruppen betuchter Schaulustiger auf der Terrasse des Hotels am Kleinen Scheidegg die Geschehnisse in der Wand verfolgen.
In der neueren Zeit hat sich der Schauplatz ein paar hundert Meter weiter verlagert, zum Schweizer Pendant des Kitzbühler Hahnenkammrennens - dem Lauberhornrennen in Wengen.
Als Mountainbike Revier hatte ich das Berner Oberland bisher eigentlich nicht am Radar. Umso gespannt war ich, was mich auf der von Flyer organisierten Pressereise erwarten würde.

Die Jungfrau Region ist ein touristischer Zusammenschluss der Orte Grindelwald, Wengen, Lauterbrunnen, Mürren und Meiringen. Namensgeber ist ein Viertausender, der gemeinsam mit Eiger und Mönch eine imposante Dreiergruppe bildet, die zu den bekanntesten Bergen der Alpen zählen.
Wie in vielen Gebieten in Österreich wurde auch hier aus einer Wintersportregion eine Sommerdestination. Mittlerweile sind die Gästezahlen in dieser Ecke des Berner Oberlandes zu 60 % der warmen Jahreshälfte zu verdanken.

Schon auf der Fahrt mit dem Regionalzug von Interlaken nach Grindelwald fiel mir auf, wie steil die Gesteinswände emporstiegen. Etwas bedrückend, wenn in einem engen Tal die Gipfel so hoch sind, dass auch um 2 Uhr nachmittags kein Sonnenstrahl bis unten dringt. Kurz vor Grindelwald weitete sich das Tal dann wieder.
Am Bahnhof angekommen, bot sich mir ein paradoxes Bild: Zum einen diese Eiger Nordwand, so unmittelbar und mächtig, dass sie zum Greifen nahe schien; zum anderen tausende asiatische Touristen, die sich ihren Weg von der Regionalbahn zur Zahnradbahn aufs Kleine Scheidegg erkämpften.

 Man hat das Gefühl, halb Asien will auf diesen Berg. 

Die Nordwand und die Touristen - beides ist in Grindelwald omnipräsent

Nirgends fühlt man sich den Viertausendern näher, und da eine vernünftige Tagestour unter 1.200 Höhenmeter kaum möglich und die Höhenlage spürbar ist, bietet sich nach Meinung der Tourismus-Verantwortlichen das E-MTB für die Bewältigung dieser Routen geradezu an.
Was konkret auf uns wartete: eine dreitägige Rundtour durch die Region, direkt unterhalb der Berg- und Gletscherlandschaft, entlang des Brienzersee und übers Große Scheidegg retour nach Grindelwald.

Die Eiger E-MTB Loop powered by Flyer

Unser erster Tag begann im Keller des Eiger Selfness Hotel direkt in Grindelwald, wo wir unsere Flyer Uproc 7 übernahmen, persönliche Einstellungen am Bike vornahmen, Pedale montierten und nach einer kurzen Erläuterung der Tagestour durch unseren Guide Francois Etappe Nr. 1 in Angriff nahmen.
Ziel war das Kleine Scheidegg, welches witzigerweise höher ist als das Grosse Scheidegg. Gleichmäßig stieg die Strecke hinauf auf eine Höhe von 2.076 Meter - großteils leider auf einer zwar autofreien, aber asphaltierten Forststraße. Teilweise schattig im Wald verlaufend, kamen wir auf dieser sehr zügig voran.
Entlang der Wengernalpbahn, deren Strecke wir immer wieder kreuzten und die seit über 100 Jahren die Touristenströme von Wegen und Grindelwald aufs Kleine Scheidegg befördert, begegneten wir nur vereinzelt Wanderern.

Zu 95% im ECO Modus, welchen ich auch noch um zwei Stufen auf der sechsteiligen Skala reduziert hatte, machten wir uns rasch einen Spaß daraus zu ergründen, wie viele Höhenmeter man mit einem 600 Wh Akku am Flyer Uproc 7 schaffen kann. Wir pedalierten allesamt mit dem beruhigenden Gefühl, einen zweiten Akku im Rucksack zu haben - aber auch dem Nachteil, das hohe Gewicht des Akkus (vielleicht sogar umsonst) mitzuschleppen.
Linker Hand begleitete uns ständig die steil ansteigende Nordwand, deren Anziehungskraft ich mich kaum entziehen konnte. Immer wieder bot sich die Möglichkeit, auf kurzen knackigen Erdwegen die originale, gut beschilderte Strecke zu queren und damit abzukürzen. Des Öfteren waren diese Wege allerdings von weidenden Kühen verstellt, die keine Anstalten machten, den Weg frei zu geben. Im Gegenteil: Mitunter zeigten sie sich hochinteressiert an unseren Flyer Bikes - und funktionierten sie kurzerhand in Reibebäume um.

Nach knapp 1.100 Höhenmeter am Kleinen Scheidegg angekommen, gab's ein Wiedersehen mit den asiatischen Touristen. Brav stellten sie sich in einer Schlange an, um mit der Jungfraubahn aufs Jungfraujoch zu gelangen.
Top of Europe, bringt einen diese elektrische Zahnradbahn seit 1912 durch Eiger und Mönch auf das Jungfraujoch, der höchsten Eisenbahnstation Europas in 3.454 m Höhe.

Abseits des Touristenstromes kehrten wir im Restaurant Grindelwaldblick am Kleinen Scheidegg ein. Hier bot sich bei Bedarf die Gelegenheit den Akku zu laden. Neben eigenen Bosch- Ladestationen gab es auch eine ausreichende Anzahl an Steckdosen für die Verwendung von eigenen Ladegeräten. Unsere eigenen Energiespeicher füllten wir mit Blick auf Eiger und Mönch mit Schweizer Köstlichkeiten.

Von nun an ging es abseits der Massen über einen sehr flowigen Trail entlang von Eiger, Mönch und Jungfrau talwärts in Richtung Lauberhorn Rennstrecke. Teile davon sind auch mit dem Bike befahrbar.
Aufgrund des langen, schneereichen Winters gab es in diesen hohen Lagen noch immer vereinzelte Schneefelder und dadurch auch sehr matschigen Untergrund. Immer wieder kreuzten wir Gebirgsbäche, und kurze Waldstücke wechselten sich mit saftigen Wiesen und Almen ab. Vorbei am Hundsschopf führte die Strecke weiter zur Wengenalp. Alles auf technisch nicht sehr schwierigem, griffigem Erdboden, der sehr viel Lust auf mehr machte.

Von diesem Almgebiet boten sich verschiedene Varianten für die Weiterfahrt nach Lauterbrunnen. Die fahrtechnisch einfache Variante führt über Wiesentrails, welche man jeder Zeit verlassen kann, um auf eine geschotterte Forststraßen zu wechseln. Die schwierige, welche ich selbstverständlich ausprobieren wollte, über teilweise sehr anspruchsvolle Trails mit Spitzkehren, Wurzeln und Stufen.
Diese Stufen erwiesen sich bei Nässe ob der querliegenden, künstlich angebrachten Holzbalken als sehr glitschig. Noch mehr Beachtung verdienten sich jedoch die zum Teil weit herausstehenden Eisen, welche diese Holzbalken fixierten.
Wie auch schon in unserem letzten Test angemerkt, sind Spitzkehren nicht das Lieblingsterrain des Flyer Uproc, und meiner schon gar nicht. Diese Kombination zweier Unzulänglichkeiten stellte mich vor größere Herausforderungen und ich wünschte mir sehnlichst meine Flatpedals anstelle der montierten Shimano SPD Klickpedale. Wenn man jedoch Spitzkehren und stufige Abfahrten liebt, ist man auf diesem Weg genau richtig.
Übrigens: Eigentlich sind die befahrenen Trails Wanderwege, die man sich mit dem Fußvolk teilt. Viele Wanderer haben wir jedoch nicht zu Gesicht bekommen.
Vorbei an Wengen ging es auf der beschilderten Bikestrecke Nr. 1 talwärts ins Lauterbrunnental, das Base Jump Mekka der Schweiz. Immer wieder entdeckten wir später in Mürren die einzelnen Exit Punkte für den Sprung in die Tiefe.

Nach einer kurzen Rast am Fuße des Staubbachfalls in Lauterbrunnen startete der zweite Anstieg des Tages nach Mürren. Das autofreie, sehr ruhige und ursprüngliche Bergdorf erreichten wir wieder über eine asphaltierte Nebenstraße nach gut 1.000 Höhenmetern. Good to have: Auf den letzten 150 Höhenmetern benötigte ich dann doch noch den Ersatzakku.

Mürren, welches am Fuße des Schilthorns liegt, ist vielen bekannt aus dem James Bond Film „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ aus den späten 1960er Jahren.
Nach einem langen Tag im Sattel bezogen wir unsere Zimmer im bestens ausgestatteten Hotel „Eiger“ mit unbeschreiblichem Panorama auf das allgegenwärtige Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau. Der Gepäcktransport hatte anstandslos funktioniert, unsere am Morgen im Hotel in Grindelwald abgegebenen Gepäckstücke waren bei unserer Ankunft bereits in den Zimmern deponiert.
Auch in Mürren erwartete uns wieder eine köstliche Auswahl an regionalen und internationalen Speisen. Und wem nach alledem noch der Sinn nach einem – biketechnischen, nicht kulinarischen – Nachschlag stand, der konnte über den technisch anspruchsvollen, drei Kilometer langen Grütschtrail mit einer Höhendifferenz von 600 m ein paar genussvolle Downhill-Momente anhängen …

Tag 1 im Überblick

  • 35 Kilometer, 2.100 Höhenmeter, 1.500 Tiefenmeter
  • Beeindruckendes Panorama im teils hochalpinen Gelände, das seinesgleichen sucht.
  • Viele mögliche Varianten entsprechend der eigenen Fahrtechnik für die Abfahrt ins Lauterbrunnental
  • Bei entsprechender Eigenleistung sind auch 1.900 Höhenmeter mit einem Akku zu schaffen.
  • Die Versorung mit Ladestationen oder Ersatzakkus auf der Strecke könnte noch verbessert werden.
  • Alternative Auffahrten statt der asphaltierten Straßen wären wünschenswert.

Tiefenrausch und Wetterpech

Der zweite Tag begann rasant: 1.000 Tiefenmeter Abfahrt ins Tal über Gimmelwald nach Stechelberg warteten auf uns. Anfangs leider erneut auf asphaltiertem Untergrund, die Straße teilend mit einer entgegenkommenden Kuhherde. Überhaupt habe ich noch nirgends so viele Kühe angetroffen wie im Berner Oberland.
Der öde Asphaltweg endete jedoch schlagartig nach halber Strecke. Weiter ging es auf einem schmalen, abschnittsweise steil abfallenden, stufigen und teilweise felsigen Alpweg. Wanderer waren auch hier kaum anzutreffen. Dafür gab's ein Wiedersehen mit den von mir mäßig geliebten Spitzkehren. Auch wenn deren Bewältigung mir an diesem Tag schon etwas flüssiger von der Hand ging: wirkliche Freunde wurden wir drei, die Switchbacks, das Flyer und ich, nicht. Das lag allerdings in erster Linie an meinen Fahrkünsten und an meiner Abneigung, solche Passagen mit Klickpedalen zu fahren.

Landschaftlich und streckentechnisch war dieser Teil des Tagespensums sicher das Highlight der zweiten Etappe. Eine wirklich anspruchsvolle, zum Teil steile Abfahrt, die jedoch bei entsprechenden Fahrkönnen sehr flüssig zu bewältigen sein sollte. Nicht zuletzt aufgrund des links der Strecke herabstürzenden Wasserfalls präsentierte sich der zugehörige Waldboden überwiegend griffig-feucht.

Wir rollten weiter abwärts durchs Lauterbrunnental, vorbei an den Trümmelbachfällen zurück nach Lauterbrunnen. Auf beiden Seiten fuhren senkrechte Felswände auf. Allenthalben stürzten Wasserfälle über ihre Flanken hunderte Meter in die Tiefe. Unsere eigenen Wege waren weniger spektakulär - teils erdig, teils asphaltiert.
Auf der Hauptstraße durchquerten wir Lauterbrunnen, um nach dem Ort auf die rechte Talseite zu wechseln. Dort ging es entlang der Bahnlinie und der Weissen Lütschine auf geschotterten bzw. erdigen Forststraßen weiter talwärts.

Durch den kurz nach Lauterbach einsetzenden Starkregen, der uns ab dort länger begleitete, wurde die Strecke nicht sehr viel attraktiver. Immerhin gestatteten unsere Motoren, auf recht direkte und schnelle Weise nach Interlaken zu kommen.
Der noble Urlaubsort erfüllte alle Klischees: Grandhotels, teure Sportwagen und an jeder Ecke ein Uhrengeschäft. Ziemlich durchnässt nahmen wir zu Mittag im Velo Cafe einen heißen Tee. Dazu gab es wieder ein breites Angebot erstklassiger Speisen.

Unsere Nachmittagsetappe war landschaftlich zwar sehr ansprechend; fahrtechnisch entpuppte sie sich eher als Verbindungsetappe zwischen zwei Sonderprüfungen: Anfangs auf öffentlichen Straßen raus aus Interlaken, verließen wir diese kurz nach Ringgenberg am nördlichen Brienzerseeufer wieder, um auf eine etwas höher gelegene Forststraße zu wechseln. Ab hier folgten wir dem Bikeweg 451 auf teils befestigtem, teils unbefestigtem Untergrund.
Durch das ständige Auf und Ab auf diesem sehr hügeligen Weg, immer mit Blick auf den tiefblauen See, bemerkten wir gar nicht, dass es am Ende des Tages doch noch 700 Höhenmeter wurden. Für Abwechslung auf unsere Fahrt nach Brienz sorgten zwei kleine Hängebrücken, die, kaum befahren, relativ stark zu schwingen begannen, sowie ein kurzer Abschnitt, der anscheinend im letzten Winter von einer Lawine verschüttet und noch nicht wieder vollständig von den Schneemassen befreit worden war.

Bei den Durchfahrten durch die kleinen Orte und Dörfer entlang des Brienzersee spürten wir den Charme, den diese sehr freundliche und ruhige Region abseits der Touristenströme zu bieten hat. Hier würde man gerne länger verweilen, am Ufersteg sitzend, die Füße im Wasser baumelnd.
Kurz nach Brienz machten wir dann am letzten Uferstück tatsächlich Rast. Da der See fast ausschließlich von Schmelz- und Gletscherwasser gespeist wird, hatte ich nach dem vormittäglichen Regen aber plötzlich doch keine so große Lust mehr auf ein ausgiebiges Badevergnügen im See ...

Die restliche Strecke bis zum Tagesziel Meiringen war irgendwie entbehrlich: Ein langer gerader asphaltierter Radweg, dem die beiderseits gleichförmige Umgebung – Felder und Wiesen – subjektiv auch nicht gerade Würze verlieh.
Doch ein für mich kurioses Erlebnis hatte diese Trasse dann doch zu bieten. Plötzlich standen wir vor einer beschrankten Kreuzung mitten auf dem Radweg. Auf einen Zug hätten wir hier jedoch vergebens gewartet – mangels Schienen hätte der sich schwer getan. Stattdessen kreuzten die Jets der Schweizer Luftwaffe auf ihrem Weg vom Hangar zur Startbahn unseren Weg. Ein sehr interessantes, wenn auch sehr lautes Schauspiel.

In Meiringen angekommen, brachten wir unsere Räder im versperrten Teil der Tiefgarage unter. Zuvor bot sich noch die Gelegenheit, diese am Waschplatz zu reinigen.
Meiringen ist architektonisch im letzten Jahrhundert stehengeblieben. Selbst das Kino unweit unseres Hotels erinnerte mich an ein kleines Dorfkino in den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Das 4.000-Seelen-Dorf lebt auch von der Romanfigur Sherlock Holmes. Hier stieg anno dazumal Sherlock Holmes mit Dr. Watson im Hotel „Englischer Hof“ ab, um seinen Erzfeind ProfessorMoriarty zu stellen … mit welchem er letztlich gemeinsam im Reichenbachfall in die Tiefe stürzte.

Tag 2 im Überblick

  • 60 Kilometer, 700 Höhenmeter, 1.800 Tiefenmeter
  • Sehr ansprechende Landschaft und Wasserfälle im engen Lauterbrunnental.
  • Technisch feine und interessante Abfahrt von Mürren nach Lauterbrunnen, danach wenig anspruchsvolles Finale.
  • Eine Etappe, auf der man kaum Akku-Unterstützung benötigt.
  • Ab Interlaken ließen sich auf der südlichen Seite des Sees alternative Routen finden.

Das Beste kommt zum Schluss ...

Der dritte und letzte Tag unserer Tour startet wieder auf der Alpin Bike Route Nr. 1. Schon nach wenigen Höhenmetern erreichten wir den bereits erwähnten legendären Reichenbachfall aus der Sherlock Holmes Geschichte. Der Aufstieg erfolgte wieder auf einer nicht sehr frequentierten Nebenstraße, aber doch erneut ausschließlich auf Asphalt.
Nach ca. 400 Höhenmetern, kurz vor Rosenlaui, gelangten wir auf eine große bewirtschaftete Alm. Flankiert von unzähligen grasenden Milchkühen, die uns nicht viel Beachtung schenkten, hielten wir kurz an, um uns mit köstlichem Schweizer Bergkäse einzudecken.

Wenige hunderte Meter später der nächste Stopp: Besichtigung der Gletscherschlucht. Die zu Fuß zu absolvierende Runde durch die Klamm dauerte ca. 45 Minuten und war eine wirklich sehenswerte Unterbrechung unseres Aufstieges aufs Grosse Scheidegg. Danach setzten wir unserer Tour fort und erreichten nach gesamt ca. 600 Höhenmeter das Chalet Schwarzwaldalp.

Auch hier bot sich wieder die Gelegenheit, die Akkus zu laden und sich kulinarisch zu verwöhnen. Nachdem wir auf unserer Tour jedoch alle drei Tage einen Zweitakku als Backup im Tagesrucksack hatten und mittlerweile auch über die Gewissheit verfügten, dass mit dem Flyer Uproc 1.900 Höhenmeter mit einer Batterieladung zu schaffen sind, nützten wir die Elektro-Labe nicht. Sehr wohl jedoch füllten wir unsere körpereigenen Speicher auf – einmal mehr fiel die Wahl des Mittagsgerichts ob der köstlichen Fülle sehr schwer.
Gut gestärkt nahmen wir die letzten 900 Höhenmeter in Angriff. Ab sofort konnten wir die befestigte Straße wieder regelmäßig über teils steilere Querverbindungen abkürzen. Dies war zwar mit einem größeren Kraftaufwand verbunden, brachte aber auch mehr Mountainbike Feeling.

 Teils steil, teils verblockt, aber auch rasant und flowig, mal spitzkehrig, mal wurzelig  

Jeden schneebedingten Extrameter wert: der Supertrail Bachalpsee

Am Grossen Scheidegg angekommen, mussten wir aufgrund der immer noch mächtigen Schneefelder in dieser Höhe unsere Route verändern. Eigentlich wäre es geplant gewesen, von hier Richtung First zu fahren und weiter hoch zum Bachalpsee. Von dort hätte der Supertrail Bachalpsee auf sehr abwechslungsreichem Terrain begonnen. Da wir aber auf diesen wirklich erstklassigen Trail nicht verzichten wollten, nahmen wir eine alternative Route in unmittelbarer Nähe zur befestigten Straße talwärts nach Grindelwald. Nach ungefähr 400 Tiefenmetern folge ein erneuter Aufstieg Richtung First, um unterhalb der Schneefelder in den Bachalpseetrail einzusteigen.
Dieser Abschluß war die Mühen des Umwegs wert. Und der Spruch, wonach das Beste zum Schluss komme, erwies sich als völlig richtig. Er war technisch anspruchsvoll, mit teils steilen, teils verblockten Stücken, Spitzkehren, aber auch rasanten, flowigen Abschnitten. Auf Wurzeln und Kehren folgten technisch einfachere Passagen. Den Fehler der letzten Tage hatte ich korrigiert, andere Schuhe angezogen und Flatpedals montiert. Und plötzlich waren auch die von mir so ungeliebten Spitzkehren kein Problem mehr ...

Fazit

Am Ende unserer Tour bin ich persönlich zu der Erkenntnis gelangt, dass ich mit Klickpedalen auf technisch anspruchsvolleren Downhillstrecken noch sehr viel Übung brauche. In der Zeit bis dahin gehe ich diesbezüglich lieber wieder "Back to the roots".
Und was die Schweizer Alpen und vor allem die Jungfrau Region und das Mountainbiken darin betrifft: Das Gebiet ist bestens geeignet für anspruchsvolle und lange Touren - nicht nur mit dem E-MTB. Viele Routen sind hier auch ohne Motorunterstützung bestens für herrliche Tage am Bike geeignet. Vor allem das Panorama ist unvergleichlich - und alleine schon deshalb komme ich sicher wieder.

Infos und Buchung
Die E-MTB Eiger Loop powered by Flyer führt von der imposanten Berg- und Gletscherlandschaft des weltberühmten Dreigestirns Eiger, Mönch und Jungfrau zum tiefklaren Brienzersee und wieder zurück nach Grindelwald. Postkartenmotive sind auf den drei Tagesetappen mit 30-60-30 km/1.200-800-1.500 Hm vorprogrammiert, Einkehrschwünge (je nach mitgeführten Ersatzbatterien mit oder ohne Akku-Laden) ob der gebotenen kulinarischen Qualität sozusagen Pflicht.
Der Tourismusverband hat ein Package inkl. Leihrad und Gepäcktransport geschnürt, buchbar unter jungfrauregion.swiss/eiger-e-mtb-loop.

Leistungen:
  • 3 Übernachtungen (Grindelwald, Mürren, Meiringen) im DZ inkl. HP
  • 3 Gepäcktransfer (Grindelwald – Mürren, Mürren – Meiringen, Meiringen – Grindelwald)
  • 3 Tagesmieten FLYER E-Bike
  • GPS-Tracks für 3 Tagestouren (Grindelwald – Mürren, Mürren – Meiringen, Meiringen – Grindelwald)
Preis: ab CHF 780.-

Ergebnis 1 bis 5 von 5
  1. #1
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    E-Biken in der Jungfrau Region

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  2. #2
    Gravel is a lifestyle Avatar von 6.8_NoGravel
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    Grindelwald war ich vor Ewigkleit mal, allerdings zu Fuß und nicht mit einem Rad.

    Feiner Bericht, überwältigende Gegend
    it´s a gravel thing, you wouldn´t understand............

  3. #3
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    Vielleicht besser. Biker sind nicht besonders willkommen.

  4. #4
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    Bad Fischau
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    Hatte nicht das Gefühl, dort nicht willkommen zu sein. Wird nicht anders als bei uns in Österreich sein. Von Region zu Region unterschiedlich. Einmal mehr, einmal weniger willkommen.

  5. #5
    onkl tistof Avatar von bikeopi
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    Zitat Zitat von blackCoffee Beitrag anzeigen
    Vielleicht besser. Biker sind nicht besonders willkommen.
    biker sind dort genauso sehr oder wenig willkommen wie Touristen allgemein. ich war gerade dort und man hat einfach das gefühl, dass manchen dort der Massentourismus (verständlicherweise) zuviel wird. in erster Linie sind das meinem gefühl nach aber vor allem die leute, die sich dort wochendhäuser und -Wohnungen leisten können und nicht jene, die vom Tourismus leben.

    ansonsten: netter Aufsatz, schöne bilder.
    FOTOSE
    http://fotos.mtb-news.de/u/140789

    Scheibenbremsen auf Rennrädern sind Gefühlssache. Beides kann nicht jeder haben.