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Altweibersommer im Salzkammergut

Altweibersommer im Salzkammergut

22.10.18 12:03 6.173Text: NoManFotos: Erwin HaidenBunte Wälder, urige Hütten, stille Seen. Wo sich im Sommer Tausende Langstreckenfans tummeln, ist im Herbst Durchschnaufen und Genießen angesagt. Wir zelebrieren den Saisonausklang in der MTB Marathon-Hochburg Bad Goisern.22.10.18 12:03 6.415

Altweibersommer im Salzkammergut

22.10.18 12:03 6.415 NoMan Erwin HaidenBunte Wälder, urige Hütten, stille Seen. Wo sich im Sommer Tausende Langstreckenfans tummeln, ist im Herbst Durchschnaufen und Genießen angesagt. Wir zelebrieren den Saisonausklang in der MTB Marathon-Hochburg Bad Goisern.22.10.18 12:03 6.415

Die Gläser klirren nur leise, und auch der Gang wirkt verhaltener. Das Tablett ist lediglich zur Hälfte gefüllt. Keine Notwendigkeit also für die Kellnerin, es im Laufschritt durch die Tisch- und Bankreihen zu manövrieren. Nicht, dass der Gastgarten vom Hütteneck leer wäre. Natürlich nützen etliche Gruppen und Grüppchen von Wanderern und Radfahrern das grandiose Wetter für eine Rast am vielleicht schönsten Logenplatz des Salzkammerguts. Aber mit dem Besucheraufkommen in der sommerlichen Hochsaison kann der Betrieb an diesem warmen, sonnigen Herbsttag nicht mithalten.
Und das ist gut. Gut für die Wirtsleute, die es sichtlich genießen, nach einer langen, hektischen Hauptreisezeit wieder mehr mit ihren Gästen tratschen und scherzen zu können. Und gut für uns, die wir nach all den Touren, Rennen und Erlebnissen des Sommers nach etwas Ruhe und Entspannung suchen.

Während wir auf unsere Brettljause warten, wenden wir unsere Gesichter der Sonne und damit dem Dachstein zu. Die vordere Bankreihe der Hütteneck-Terrasse ist leer, der Blick auf den König des Salzkammerguts somit ungestört. Blendend weiß glitzert sein vergletschertes Plateau herüber. Tief darunter erzählt das dunkle Wasser des Hallstättersees von den Badefreuden und Schifffahrten des vergangenen Sommers.
Dazwischen räkelt sich die gesamte Weltkulturerberegion im milden Herbstlicht: das mächtige Dachsteinmassiv mit seinen riesigen Schauhöhlen und spektakulären Aussichtsterrassen; das pittoreske Hallstatt samt Salzwelten, Beinhaus und Gräberfeld; des Kaisers mondänes Refugium für alle Zeit, Bad Ischl; die eilig fließenden, teils stürzenden Wasser von Gosaubach, Waldbachstrub oder Traun; die in nunmehr prächtige Farben getauchten Waldhänge von Raschberg, Kalmberg und Co.; und erst recht die blühenden Astern, Dahlien und Erika in den Vorgärten und Balkontrögen unten im Tal.

Schon jetzt entpuppen sich der Austragungsort von Österreichs größtem MTB-Marathon und dessen Umgebung als ideale Wahl für unser Ansinnen: Runterkommen, Durchschnaufen, eine großartige Radsaison Revue passieren und Pläne für die nächste herankommen lassen. Dabei gut essen und trinken, die Umgebung genießen und ein paar unaufgeregte Kilometer machen.

 Goisern, Goisern,
I steh auf di,
Und i steht a auf dei oanfachs,
Und abgnudlds
Jodl-ei-ti 

Hubert von Goisern

Unser Atem hat sich endgültig beruhigt. Zweimal mussten Lunge, Herz und Muskeln auf dem Weg von Bad Goisern hier herauf Schwerstarbeit verrichten - wenn auch immer nur kurz. Die Sonderprüfung im Schwarzenbachloch wäre zu vermeiden gewesen, gibt's unter den vielen Auffahrtsvarianten zum Hütteneck doch sanftere als jene über die wildromantische Kriemoosalm und besagten, felsig-steilen Graben. Nur: Wer wollte nicht die erste Schlüsselstelle der berühmt-berüchtigten Salzkammergut Trophy einmal außerhalb des Renngeschehens probieren? Alternativenlos dann hingegen die letzten Steilkurven zum auf 1.240 m Höhe gelegenen Berggasthof. Einige Speck- und Wurstschnitten, Radi- und Käsestücke sowie Brotscheiben später ist jedoch auch diese finale Schinderei vergessen und unsere kleine Reisegruppe bereit für mehr.

Rauf auf den Raschberg, runter ins Rettenbachtal oder rüber ins Steirische ... vom zentralen Publikumspunkt der Salzkammergut Trophy aus - beim Marathon kommen die Zuschauer sogar per Hubschrauber hier herauf - scheint so ziemlich jede Stoßrichtung möglich. "Wir könnten die Traunseite wechseln und durchs Weißenbachtal zur Chorinsky-Klause fahren und dann auf den Hochmuth", bringt Bernhard Höll eine weitere, ob der funktionstüchtigen, aber stillgelegten Holzdriftanlage auch kulturgeschichtlich interessante Möglichkeit ins Spiel.
G'standene Goiserer wie der Trophy-Streckenchef schnupfen das Hütteneck ja zum Frühstück. Stadtpflanzen wie unsereins gehen, zumal wenn im Chill-out-Modus, mit den gerade erst gewonnenen 700 Höhenmetern ungleich sorgsamer um. Und so entscheiden wir uns schließlich für eine erweiterte Hüttentour: über die Tauernkreuzung zur Hoisnradalm, und dann via Ewige Wand zur Rathlucken. "Das passt auch gut, dann kann ich euch zeigen, wo der geplante Hütteneck-Trail gebaut werden soll", frohlockt unser umtriebiger Begleiter.

Zukunftsmusik: Trails und Parks

Trailbau-Pläne in der Forststraßen-Hochburg? Wir haben richtig gehört. Noch geben sich die Touristiker vom MTB-Verantwortlichen Christopher Unterberger abwärts vorsichtig. Aber Fakt ist: Das MTB-Angebot im Inneren Salzkammergut bedarf einer Modernisierung und Erweiterung.
Fürs erste sind eine Abfahrt vom Hütteneck und ein Downhill vom Predigtstuhl im Gespräch. Wobei weder da noch dort Bagger-Brigaden auffahren werden, um Brechsandpisten in den Berg zu graben. "Ich stelle mir naturnahe Adaptierungen von vorhandenen Wegen vor", erklärt Bernhard Höll. Neben seinem Trophy-Engagement ist er nämlich vom Tourismusverband beauftragt, entsprechende Streckenvorschläge auszuarbeiten und Sondierungsgespräche zu führen.

Unten im Tal soll ein großzügiger Skillspark nicht nur die Kinder und Jugendlichen begeistern, die dort spielerisch ihre fahrtechnischen Fähigkeiten ausbauen können. In Kooperation mit den Guides und Fahrtechnik-Spezialisten des MTB Kompetenzzentrums will man damit auch und vor allem die rasant wachsende Gruppe der fahrtechnisch eher unbedarften E-Biker abholen.
Beherbergen wird dieses Übungsareals entweder ein Gemeindewald in Bad Goisern, oder die Bikearena Obertraun. Mit Pumptrack, Technikparcours und Weltcup-tauglicher Strecke (schwarz markiert) inklusive einfacherer Linien (rot, blau) bietet diese öffentlich zugängliche Anlage beim Austrian Sports Resorts BSFZ Obertraun schließlich schon jetzt lernwilligen Bikern verschiedenster Niveaus eine Heimat.

Wo die Waldarbeit täglich Brot, die Jagd hochgehaltene Tradition und das gesunde Misstrauen gegenüber Veränderungen bewährtes Lebensmodell ist, ernten derlei Pläne naturgemäß nicht überall Begeisterung. Aber mit Bernhard Höll führt ein nimmermüder Wegfinder die Gespräche.
Und sollten am Ende allen Z'ammsitzns doch keine von den Wanderwegen entkoppelten MTB-Trails entstehen, ist das Salzkammergut noch immer, was es ist: eine wunderschöne, unglaublich vielfältige und zentral gelegene Naturlandschaft, deren teils spektakuläre Highlights dank einfacher Wege auch weniger versierten Bikern zugänglich sind.

Schon auf unserem weiteren Weg zur Hoisnradalm, und erst recht dann in der Ewigen Wand, tritt die Umgebung den eindrucksvollen Beweis für diese Behauptung an. Wie lieblich sich die kleinen, wettergegerbten Hütten der Gschwendtalm in die buckligen Wiesen ducken! Wie verführerisch der Wolfgangsee hervorblitzt, während man von der Hoisnradalm auf Bad Ischl hinunterblickt! Und wie friedlich und ruhig, fast schon entrückt, man im Angesicht des Toten Gebirges im Garten dieses familiären Almgasthauses verweilt!
Nur wenig später zeichnen die steil auffahrenden Felswände des Predigstuhl ein ganz anderes Bild: Tonnen von blankem Stein über uns, unvermittelte Abbrüche vor uns. Ein schmales, in den Berg gegrabenes Band als frühe Leistungsschau (errichtet 1954-56) der Tourismusbranche, dazu kühn in die Wand geschlagene Eisentritte und -haken für Kletterer, zwei beleuchtete Tunnelröhren, und vor uns nichts als Weite, Wiesen, Wasser und Wald - oder doch: ganz hinten beschließt der Krippenstein den imposanten Blick über das gesamte Gosautal und den Hallstättersee.

Nicht umsonst ist die Ewige Wand einer der bekanntesten Flecken im Salzkammergut und fast so etwas wie das Wahrzeichen von "Einmal Hölle und zurück". Fünf der sieben Strecken des legendären MTB-Marathons mit dem markigen Motto führen durch dieses Aushängeschild der Region, Tausende Rennteilnehmer brettern, vom fahrtechnisch durchaus interessanten und auch offiziell freigegebenen Rodelweg kommend, jährlich Mitte Juli hier durch. Einen Blick für die liebevoll geschnitzten Holzfiguren des anschließenden Sagenweges werden jedoch die wenigsten von ihnen haben. Und in den Genuss eines Einkehrschwungs bei der Rathlucken Hütte kommt gewiss kein einziger.

Die Sage von König Goiseram

Am Verbindungsweg zwischen Ewiger Wand und Rathlucken Hütte posieren mehrere geschnitzte Fabelwesen. Jene im "Lindwurm-Loch", einem großen Felsvorsprung, erzählen, was es mit dem Drachen im Gemeindewappen von Bad Goisern auf sich hat:
Nach einer alten Chronik stand an der Stelle des heutigen Goisern zur Apostelzeit eine mächtige Stadt, Goisernburg genannt. Ihr Herrscher, König Goiseram, lebte mit Familie, Gesinde und zahlreichen Gefolgsleuten auf dem Reichenstein. Die Stadt war wohlhabend, denn in den umliegenden Bergen fand sich viel edles Metall. Aus dem Boden sprudelten heilende Quellen, die Erde war fruchtbar und der Handel blühte.
Entsprechend ausschweifende Feste gab es auf der Burg, und die Menschen wurden immer ausgelassener und verdorbener. Das nächtliche Gegröle und Gekreische der Gäste aber störte den im Inneren des Reichenstein lebenden Lindwurm. Vor Wut fraß er ein großes Loch in den Berg, aus dem so viel Wasser stürzte, dass die ganze Stadt darin versank. Auch König Goiseram mitsamt seinem Gefolge kam in den Fluten ums Leben.
Seither heißt diese Höhe "Wurmstein" und das Bächlein, das durch Goisern fließt, "Wurmbach". Der Lindwurm aber ziert heute noch das Goiserer Wappen.

Wir nehmen dafür umso bewusster Platz auf der gemütlichen Aussichtsterrasse des freundlichen Hauses im Goiserer Ortsteil Wurmstein. Im Licht der untergehenden Sonne gilt es, sich nach der Brettljause am Hütteneck und der Malakofftorte auf der Hoisnradalm zu entscheiden: Nochmal was Süßes bei Rast Numero 3, oder lieber deftig-kräftig à la Kasspatz'n und Grammelschmalzbrot? Die Wahl fällt auf Pofesen, die kreativerweise nicht mit Powidl-Marmelade kredenzt werden, sondern mit dem, was hier allenthalben in den Wäldern wächst: Heidelbeeren!
Die zart angezuckerte Sünde samt Haferlkaffee erweist sich als würdiger Abschluss eines gar wundervollen Tages in den Bergen und Hütten des Salzkammerguts. Mit fast genau 1.000 Höhenmetern in den Beinen und drei Zwischenstopps am Tourenprogramm scheint unsere selbstgewählte Vorgabe eines gemütlich-genussvollen Saisonausklangs ziemlich exakt erfüllt. Und doch klingt uns beim Runterfahren der erstaunt-erschrockene Kommentar einer älteren Wandersfrau in den Ohren, die wir nahe der Hoisnradalm getroffen haben:

 Es håbt's jå goa kan Strom net … um Gottes Wün! 

Tatsächlich sind uns über den Tag verteilt sicher 35, 40 Mountainbiker begegnet. Mit Ausnahme dreier weiterer Genossen waren wir jedoch die einzigen ohne Motorunterstützung. Offensichtlich sind die E-Bikes in diesem teils bergig-steilen Gebiet noch unübersehbarer angekommen als anderswo.
Im Laufe des Abendessens an einer der ersten Adressen für Biker im Inneren Salzkammergut, dem mitten im Zentrum von Bad Goisern gelegenen Moserwirt, fassen wir deshalb einen spontanen Entschluss: Unseren zweiten Tag in der Welterberegion wollen wir noch gemütlicher angehen und uns hierfür E-Bikes vom örtlichen Bikeshop, der Mauna Loa Bikeworld, leihen.

Gesagt, getan. Bei einer Flotte von 30 E-MTBs ist es in der Nebensaison ein Leichtes, das passende Wunschrad auch kurzfristig auszuborgen. Unsere Pedale sind rasch ummontiert, und nur wenig später sind wir unterwegs "in d'Gosing", wie die Einheimischen zu sagen pflegen. Sprich: Wir fahren nach Gosau.
Unser heutiges Tagesziel ist vielen Menschen als OÖ Landessieger 2015 der Heimatsendung "9 Plätze - 9 Schätze" des ORF bekannt und wird von den Tourismusverantwortlichen der Region auch fleißig als Glücks- und Kraftplatz beworben. Unter Radfahrern gilt das sogenannte Löckenmoos samt gleichnamigem See und vorgelagerter Badstub'n Hütte hingegen noch als Geheimtipp. Dabei kommen viele von ihnen diesem einzigartigen Fleckchen Erde alle Jahre wieder ganz nah. Die A-, B- und C-Strecke der Salzkammergut Trophy führt auf ihrem Weg von der Roßalm zum Gosausee und von diesem wieder hinauf zur Schafalm jeweils ganz knapp an ihm vorbei ...
(Was die Namensgebung betrifft: Auch Löckermoos oder Löckernmoos sind üblich - Einheimische, Kartographen, Autoren uvm. sind sich diesbezüglich uneins. Fest steht: Die Bezeichnung leitet sich vom Gosauer Dialektwort für die dort omnipräsenten Latschen oder Legföhren ab, den Löckern - "Leggan" gesprochen. Anm. d. Red.)

Wir starten beim Speichersee in Vordertal. Der Herbst meint es an diesem Morgen noch nicht ganz so gut mit uns wie tags zuvor. Es ist eisig kalt und schattig, unser Atem kondensiert in dicken, grauen Wolken, sowie er den Mund verlässt. Was würden wir auf diesen ersten Metern durch den Brielgraben für ein paar Sonnenstrahlen geben!
Aber was unten im Tal nicht ist, kann ja etwas weiter oben noch werden. Die Überbrückung gelingt dank E-Bikes in erstaunlich kurzer Zeit. Eigentlich hatten wir uns ja geschworen, die Motorunterstützung mit Maß und Ziel einzusetzen, um unserem Unternehmen einen Hauch von Sportlichkeit angedeihen zu lassen. Aber mal ehrlich: Wer würde sich nicht per Turbo-Boost einfach in die wärmende Sonne beamen, wenn Finger und Zehenspitzen vor Kälte kribbeln?

Und so kommt es, wie es kommen musste: Auch auf unserem weiteren, knapp 600 Höhenmeter umfassenden Weg nach oben schalten wir nur selten zurück. Durch prachtvoll verfärbte Wälder, goldene Wiesen und Lichtstrahlen, die in glitzernden Bahnen durch die Bäume brechen, kurbeln wir ungewohnt leichtfüßig und schnell der Badstub'n Hütte entgegen. Dort stellen wir unsere Leihräder vorerst ab. "Im Naturschutzgebiet gibt's kein Fahren", hat uns Bernhard Höll schon vorab unmissverständlich klargemacht. Ehe wir unseren Weg zu Fuß fortsetzen, beruhigt er noch: "Um die Bikes müsst ihr euch keine Sorgen machen, hier kommt nichts weg."
Es gibt mehrere Möglichkeiten, zum Löckenmoos zu gelangen. Die kulturgeschichtlich interessanteste wäre der Rundweg über die Schleifsteinbrüche. Seit mindestens 1563 (erstmalige schriftliche Erwähnung) wurden am Löckenmoosberg runde, riesige Naturschleifsteine sowie - eigentlich als Abfallprodukt - handliche Wetzsteine abgebaut. Um das traditionelle Handwerk und die Schürfrechte zu erhalten, herrscht auch heute noch fallweise Betrieb. Uns erscheint die einstündige Wanderung via Grubenalm und das sagenumwobene Wildfrauenloch dann aber doch zu viel des Guten. Lieber nehmen wir die erst flach geschotterte, dann wurzelig-steile Direttissima.

Sagenhaftes Naturschauspiel

Das 7,7 Hektar große Löckenmoor kündigt sich an, noch ehe der erste der vielen, liebevoll angelegten Holzstege, die durch das Schutzgebiet führen, zu sehen ist. Die Vegetation verändert sich. Wo gerade noch hoch aufragende Fichten waren, sind nun niedrige Latschen. Statt Moosen und Farnen bedecken immer mehr niedrige Büscheln die Erde - Heidelbeeren, Rauschbeeren, Preiselbeeren. Bald stehen sie so dicht, dass kein Durchkommen mehr möglich wäre ... so man sich denn überhaupt noch getraut, den Fuß auf den allmählich feuchter werdenden Boden links und rechts des Weges zu setzen. Aber auch dessen Planken und Rundlinge werden zunehmend rutschig. Der gebotene, vorsichtige Gang ist eine ideale Einstimmung auf das, was einen beim endgültigen Betreten des Hochplateaus erwartet.

Denn plötzlich wird der Blick weit und der Mensch ganz klein. Tiefblau spannt sich der Himmel über ein schier unendliches Meer an Latschen, Heidekraut und kleinen Felsen. Es gluckert und gluckst, raschelt und surrt. Davon abgesehen, ist es trotz zahlreicher weiterer Wanderer unglaublich still.
Zu unserer Linken erhebt sich majestätisch der Gosaukamm. Weiter vorne werden sich seine mächtigen Zinken und spitz aufragenden Kogeln im kleinen Rund des Löckensees spiegeln. Gleich daneben, aber etwas weiter weg, reihen sich die Gipfel des Tennengebirges aneinander: Tauernkogel, Hochkarfelderkopf, Bleikogel, Großer Traunstein ... Und dazwischen thront der Hochkönig und schickt felsig-vergletscherte Grüße aus dem fernen Pinzgau zu uns.
Es braucht kein bisschen esoterische Verklärung, um die Kraft zu spüren, die diesem Plätzchen innewohnt. Und auch, dass sich gleich mehrere Sagen um diesen Ort ranken (vgl. Infokasten), verwundert wenig.

Das Löckenmoos - Facts, Figures and Farytales

Deckenmoore sind in Europa selten, haben wir beim Studium der angebrachten Infotafeln gelernt. In Österreich kommen sie nur in den Rätischen Alpen und im Salzkammergut vor. Für ihre Ausbildung braucht es extrem niederschlagsreiches ozeanisches Klima mit gleichmäßig kühlen Lufttemperaturen.
Das auf rund 1.400 Metern gelegene Löckenmoos ist bereits vor ca. 11.000 Jahren entstanden und beherbergt neben mindestens so sensibler wie seltener Flora und Fauna (etwa Sonnentau, Scheidiges Wollgras, Torfmoos, spezialisierte Schmetterlinge und Moorfrösche) auch einen kleinen See. Diesem fehlt ein oberirdischer Zufluss. Ausschließlich vom sauren Wasser des Moorkörpers gespeist, haben Fische, Schnecken oder Krebse im Löckensee keine Überlebenschance. Umso zahlreicher tummeln sich dort Wasserläufer und Libellen.

Einer alten Sage nach soll in dem dunkelbraunen Gewässer außerdem ein rund drei Meter langes Lebewesen names „Löckenwurm“ leben. Und auch die Gosauer „Wildfrauen“ (wild im Sinne von scheu, Anm. d. Red.) sind unweit von dem kleinen Moorauge in einer engen Felsspalte namens Wildfrauenloch beheimatet. Einst halfen sie den Bauern bei deren schwerer Arbeit. Einer von ihnen verliebte sich und bekam als Gegenleistung für „manche schöne Stunde“ einen prunkvoll mit Gold verzierten Gürtel. Weil er das Geschenk aber, statt wie aufgetragen seiner Gattin, einer Tanne umschnallte, widerfuhr ihm beim nächsten Besuch gar Schreckliches. Die Wildfrau nahm den Bauern mit auf einen Flug über den Dachstein. Dort ließ sie ihn plötzlich los, und der Treulose zerschellte am Fels des Plateaus ...

Wir machen es wie die meisten Besucher des Löckenmoos und saugen die einzigartige Stimmung eine ganze Weile in uns auf. Erst als sich der Mittagshunger meldet, wenden wir uns langsam zum Gehen - gerade rechtzeitig, um bei der idyllisch auf einer Waldlichtung gelegenen Badstub'n Hütte einen Sonnenplatz zu ergattern.
Mit Kaspressknödelsuppe und (ja, schon wieder! Aber wenn's doch hier eine Spezialität sind ...) Pofesen im Bauch entschließen wir uns, auch dem Gosausee noch einen Besuch abzustatten. Schließlich können uns zusätzliche Höhenmeter heute nichts anhaben, und außerdem "wäre bei der Ebenalm nochmal schön sitzen", merkt unser Guide, mittlerweile ebenfalls ganz im Chill-out-Modus, verschmitzt lächelnd an.

Überhaupt, das Sitzen. "Sitz's eich zuaba" hören wir dieser Tage nicht bloß einmal, und im Fall zweier meisterlich aufspielender Volksmusikanten im Gasthof Moserwirt nehmen wir die Einladung sogar an. Wer so virtuos die Knöpfe seiner Ziehharmonika drückt, dem schaut man gerne aus der Nähe zu; und wer beim Jodeln auch noch dermaßen astrein Gitarre spielt, hat sich ehrliche Bewunderung verdient.
Seit 14 Jahren schon ist immer freitags Volksmusik-Abend in dem Bike-Hotel. Aus einer lose zusammengewürfelten Trruppe finden sich jeweils zwei, drei Sänger und Spielleute zusammen, die dann ziemlich spontan aufgeigen. Publikumswünsche wie -beiträge sind herzlich willkommen, und in der Hochsaison gesellen sich auch Schnapsbrenner mit Kostproben ihrer Selbsterzeugten dazu. Beim Moserwirt mögen diese mitunter langen Abende ob des Fixtermins nicht ganz zufällig sein. Tatsächlich ist es aber mehr als üblich, dass in den Hütten, Wirtsstuben und Gastgärten des Salzkammerguts plötzlich jemand ein Lied anstimmt oder seine "Zuck" spielt.

 Im Salzkammergut da kann man gut lustig sein, wenn die Musi spielt, holdrio
Im Salzkammergut da kann man gut lustig sein, so wie nirgendwo, holdrio 

Robert Gilbert, Aus: Im weißen Rössl

Noch aber ahnen wir nichts von diesem Wochenausklang der urigen Art. Noch kurbeln wir, begleitet von leisem Motorsurren, entlang sonniger Wiesen und bunter Wälder und sehen uns alle paar Meter zu einem Zwischenstopp gezwungen. Diese Aussicht, diese Ruhe, dieses Idyll!
Mal ist es der Blick hinunter auf Gosau samt Salzkammergut-Bergen und Ramsaugebirge, der uns zum Anhalten animiert, mal ein Bankerl, dass romantisch ins Land hineinschaut. Als dann schließlich auch noch König Dachstein und der Gosausee ins Bild rücken, melden unsere inneren Sensoren Kitschalarm.
Bei einem weiteren Haferlkaffee und Kuchen (für den im Salzkammergut angeblich ja erfundenen Kaiserschmarrn war in unseren Mägen, wie auch tags zuvor, einfach kein Platz mehr) auf der versteckt in einer Waldsenke liegenden Ebenalm setzen wir die letzten Hakerl auf unserer imaginären Was-bei-einem-entspannten-Saisonausklang-nicht-fehlen-darf-Checkliste. Und im freien Kommentarfeld fügen wir an: "optional: E-MTBs" ...

Infos und Adressen

Die Dachstein Salzkammergut Region umfasst die oberösterreichischen Orte Bad Goisern, Obertraun, Hallstatt und Gosau sowie mehrere Seen, allen voran Hallstätter- und Gosausee. 1997 zum UNESCO Welterbe erklärt, erfreut sich das durch Salzabbau und -handel reich gewordene Gebiet regen Zuspruchs internationaler Gäste. Aber auch für Wanderer, Familien, Gesundheitsurlauber, Kletter- und Wassersportler oder Kulturliebhaber gibt's hier ober, unter und über der Erde jede Menge zu entdecken - Höhlen, Aussichtsplattformen, Bergwerke, Heilquellen, Museen uvm.
Infos dazu gibt's beim Tourismusverband Inneres Salzkammergut, Kirchengasse 4, 4822 Bad Goisern, dachstein.salzkammergut.at

MTB-Marathon
Mountainbikern ist der grandiose Naturraum als Austragungsort der Salzkammergut Trophy bekannt. Sieben Strecken zwischen 22 und 211 Kilometern stehen bei Österreichs größtem MTB-Marathon zur Wahl. Viele weitere Attraktionen und Nebenbewerbe machen den alljährlich Mitte Juli steigenden Event zu einem Fest für Tausende Radfahrer.


MTB-Touren
Das vorrangig auf Forststraßen geführte, offizielle Streckennetz reicht über die Landesgrenze hinweg bis ins Ausseerland und umfasst, auch Bad Ischl und den Traunsee miteinbezogen, rund 1.400 Kilometer. Seine Befahrung ist zwischen 16. April und 31. Oktober von 08:00 bis 18:00 Uhr erlaubt (vgl. Fair Play-Regeln).
Touren-Download

MTB Kompetenzzentrum
Ergänzt wird dieses Angebot durch geführte Individual- und Fix-Touren, Leih-Räder mit und ohne Motor, Shuttle-Dienste, Technik-Trainings, eine Wettkampfstrecke auf Weltcup-Niveau, spezialisierte Unterkünfte, kompetente Fachhändler uvm.
Infos dazu erteilt der Leiter des MTB-Kompetenzzentrums, Helmut Simonlehner, am liebsten via Hotline: 0650 40 54768 oder

Verleih und Shop
Mauna Loa Bad Goisern und Bad Ischl, www.mauna-loa.at

Nächtigung
Von den zahlreichen, auf Mountainbiker und ihre Bedürfnisse spezialisierten Betrieben durften wir diesmal die Gastfreundschaft, großzügigen Zimmer, gute Küche und volksmusikalische Begleitung des ***S Moserwirt in Bad Goisern genießen. Trockenraum, versperrbare Garage, Wäscheservice, Bikeverleih (E-Bikes), verschiedenste Bike-Packages

Einkehr-Stationen
Sprachkurs
Die Goiserer, und erst recht die Gosinger, haben ihre ganz eigene Sprache. Im Wöathabühö Goiserisch Bracht kann man dem Dialekt Ersterer ein wenig auf den Grund gehen - sehr empfehlenswert für spontane gesellige Runden mit Einheimischen u.ä.

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  1. #1
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    Mit MTB und E-MTB im herbstlichen Salzkammergut

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  2. #2
    Geht scho! Avatar von FloImSchnee
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    Fakt ist: Das MTB-Angebot im Inneren Salzkammergut bedarf einer Modernisierung und Erweiterung.
    Fürs erste sind eine Abfahrt vom Hütteneck und ein Downhill vom Predigtstuhl im Gespräch. Wobei weder da noch dort Bagger-Brigaden auffahren werden, um Brechsandpisten in den Berg zu graben. "Ich stelle mir naturnahe Adaptierungen von vorhandenen Wegen vor", erklärt Bernhard Höll. Neben seinem Trophy-Engagement ist er nämlich vom Tourismusverband beauftragt, entsprechende Streckenvorschläge auszuarbeiten und Sondierungsgespräche zu führen
    Klingt gut, endlich!
    Auch, dass es "natürliche" Wege bleiben sollen, gefällt mir.


    Schade, dass es mit Obertraun fürn XC-WC nichts wurde.
    Hier kaufe ich ein: Bike-Station Bad Ischl

  3. #3
    Jalla Jalla! Avatar von bs99
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    Zitat Zitat von FloImSchnee Beitrag anzeigen
    Klingt gut, endlich!
    Auch, dass es "natürliche" Wege bleiben sollen, gefällt mir.


    Schade, dass es mit Obertraun fürn XC-WC nichts wurde.
    Als erfahrener fast Einheimischer glaub ich es erst wenn das Eröffnungsbandl durchgeschnitten wird

    Bis dahin ist das SKGT legal bestenfalls ein steiles Gravelrevier.
    SUCHE: Carbon Hochprofilfelge Clincher 24h
    VERKAUFE: Freeride Ski Scott Stunt 196, Stoanatourenski Blizzard 185 mit Fritschi Freeride

  4. #4
    ich will sommer!! Avatar von mbiker
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    geile bilder! vor allem die drohnenshots eröffnen eine ganz neue perspektive, die man normalerweise nicht sieht!
    cu, martin

    2RC °199 "NoRegrets"

  5. #5
    Geht scho! Avatar von FloImSchnee
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    @bs99: den Gedanken hatte ich zwar auch, hab aber beschlossen, mich in Optimismus zu üben.

    @mbiker: hab ich mir auch gedacht! Das vom Löckermoos bspw.
    Und bei der Ewigen Wand dachte ich erst: "no, do hot a si oba weit aussi gloant..."
    Hier kaufe ich ein: Bike-Station Bad Ischl

  6. #6
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    Bis dahin ist das SKGT legal bestenfalls ein steiles Gravelrevier.
    Das ist jetzt aber doch eine sehr sportliche Sicht der Dinge. Das Gravelbike mag die unliebsame B145 vermeiden helfen. Aber selbst für halbwegs Trainierte sind die Berge damit eine echte Aufgabe, quasi das Nischenprogramm für die Nische von der Nische. Manchmal hat, wenn's kein E-Bike sein darf/soll, so ein stinknormales Hardtail durchaus seine Berechtigung
    NoMan

  7. #7
    degradierter Hobbyist Avatar von Gili
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    für Forststraßen brauchts aber kein Hardtail
    ob die Berge ein Herausforderung sind, hängt eher von der Übersetzung ab, als von MTB od Gravel

  8. #8
    Jalla Jalla! Avatar von bs99
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    Zitat Zitat von Gili Beitrag anzeigen
    für Forststraßen brauchts aber kein Hardtail
    ob die Berge ein Herausforderung sind, hängt eher von der Übersetzung ab, als von MTB od Gravel
    So hab ich das mit steilem Gravelrevier gemeint.
    Mit einer entsprechenden Übersetzung ist das Gravel das ideale Gerät für die SKGT Forststrassen.
    SUCHE: Carbon Hochprofilfelge Clincher 24h
    VERKAUFE: Freeride Ski Scott Stunt 196, Stoanatourenski Blizzard 185 mit Fritschi Freeride

  9. #9
    Einfach gemein, uns "im Büro Sitzenden" diesen Text und diese Fotos vorzusetzen!!

  10. #10
    Registrierter Benutzer Avatar von romanski
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    Schon schön bei uns.
    Ich nehm die Forststraßen bergauf gern mit, bergab gibts in der Gegend dann eh sehr viele (wenn auch illegale) Alternativen.
    Verkaufe: nix

  11. #11
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    ob die Berge ein Herausforderung sind, hängt eher von der Übersetzung ab, als von MTB od Gravel
    Mit einer entsprechenden Übersetzung ist das Gravel das ideale Gerät für die SKGT Forststrassen.
    Es ist steil - rauf und runter. Es rumpelt manchmal ziemlich - bergab, und auch geradeaus. Es gibt Abschnitte mit reichlich schlechtem Belag - lose, tief, rutschig. Für all solche Bedingungen wurden irgendwann Federgabeln, breite Reifen, gemütliche Sitzpositionen, smartes Handling etc. erfunden, auf dass die Leut mehr Komfort, weniger Nacken- und Schulterschmerzen, mehr Sicherheitsempfinden, mehr Kontrolle usw. haben. Am Gravler habe ich bei all diesen Punkten im Vergleich zum MTB Abstriche (und muss in den meisten Fällen wohl auch noch die Übersetzung anpassen). Zweifelsfrei sind das trotzdem lustige Räder, und sie zu bewegen hat seinen Reiz. Aber anderswo deutlich mehr als im Salzkammergut ...
    NoMan

  12. #12
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    Einfach gemein, uns "im Büro Sitzenden" diesen Text und diese Fotos vorzusetzen!!
    Also du bist so ziemlich der Letzte, den ich bei diesem Wetter im Büro vermutet hätte
    NoMan

  13. #13
    Admin Avatar von NoSane
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    Zitat Zitat von FloImSchnee Beitrag anzeigen
    Und bei der Ewigen Wand dachte ich erst: "no, do hot a si oba weit aussi gloant..."
    Stelzen hab ich mir auch schon mal überlegt ... vom großen Heinz Zak abgeschaut

  14. #14
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    wieder mal unglaublich schöne aufnahmen !!

  15. #15
    früher mal Weltmeisterin Avatar von NoMan
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    Schade, dass es mit Obertraun fürn XC-WC nichts wurde.
    Ein Team-Meeting später ist das WC-Aus doch nicht so endgültig wie uns gegenüber ursprünglich kommuniziert; somit der entsprechende Textteil jetzt abgeändert ...
    NoMan

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