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Test: Marzocchi Z1 MY2019

Test: Marzocchi Z1 MY2019

06.07.18 22:11 2.558Text: Ralf HauserFotos: Erwin Haiden, NR22Sie ist zurück. Marzocchis Z1 hat vor über zwei Jahrzehnten eine neue Ära bezüglich Abfahrtsperformance eingeläutet. 2019 soll sie die Tradition weiterführen.06.07.18 22:11 2.573

Test: Marzocchi Z1 MY2019

06.07.18 22:11 2.573 Ralf Hauser Erwin Haiden, NR22Sie ist zurück. Marzocchis Z1 hat vor über zwei Jahrzehnten eine neue Ära bezüglich Abfahrtsperformance eingeläutet. 2019 soll sie die Tradition weiterführen.06.07.18 22:11 2.573

1996 war es (wie so oft waren Produkte des Modelljahrs 1997 bereits vorzeitig erhältlich), als die orange-blaue Federgabel ihre Spuren in den Mountainbike-Geschichtsbüchern hinterließ. Damals schlug sie mit Stahlfedern, offenem Ölbad, Motocross-inspirierter Technik und für die Zeit unglaublichen 100 mm Federweg einen völlig neuen Weg ein und ließ die Konkurrenz in puncto Performance einfach im Regen stehen. Klar, sie war etwas schwerer, war allerdings auch auf Haltbarkeit getrimmt.

Ich kann das bestätigen, ich habe immer noch eine zu Hause stehen, die ich jahrelang gedögelt, aber nie eines Mechaniker-Blickes gewürdigt habe. Würde ich sie heute aufschrauben, käme mir wohl der Geruch von toter Katze entgegen. Oder eben auch nicht.

Fast forward 22 Jahre. Nach einer bewegten Firmengeschichte ist die Z1 wieder Bestandteil des Lineups von Marzocchi. An den neuesten Stand der Technik angepasst, will Marzocchi an ihre alten Werte wie hohe Haltbarkeit und beste Downhill-Performance anschließen - bei heißem Preis-Leistungsverhältnis.
Um diese Ziele möglichst gezielt umzusetzen, steht die Mutterfirma Fox Shox mit Technologie und qualifiziertem Produktions-Know-How zur Seite.

Hört sich ganz nach den richtigen Zutaten für Shuttle-Runs, Bikepark-Ratten sowie Freerider und Rennfahrer, deren Geldbörse nicht vor Geldscheinen überquillt, an.

Die Daten

Aufgebaut auf 36 mm dicken Standrohren und Tauchrohren aus 6000er-Serie Aluminium, arbeitet die Z1 mit Luftfederung. Ausgestattet mit Float Evol mit extra Luftvolumen in der Negativ-Luftkammer, sorgt das System für optimales Ansprechverhalten und erhöhten Support im mittleren Federwegsbereich.

Eine robuste und geschlossene Fit Grip Sweep-Kartusche mit einstellbarem Rebound und Kompression hält die Gabel im Zaum. Inspiriert von Motorradgabel-Dämpfungssystemen arbeitet die Grip-Dämpferkartusche mit einem per Stahlfeder vorgespannten, schwimmenden Dämpferkolben im Inneren. Dieses System erlaubt es überschüssigem Öl, durch eine spezielle Öffnung im oberen Dämpferbereich abzufließen. Damit bleibt die Dämpfung stets konstant, gleichzeitig erhöht sich die Haltbarkeit.

Der sogenannte Sweep-Hebel am Top des rechten Gabelholms reguliert die Kompressionsstufe - eine Mischung aus Low-Speed und High-Speed Kompressionsdämpfung. Der Hebel lässt sich über 180 Grad rotieren, und beeinflusst das Einfederverhalten von komplett offen bis beinahe zum Lockout.
 

Der Achsstandard ist auf eine 15 x 110 mm Boost-Achse ausgelegt und mit Schnellspann-System versehen. Ein 180 mm Postmount nimmt Bremsscheiben mit 180 mm Durchmesser ohne Adapter auf.

Durch den Einsatz von Volumen-Spacern kann die Federkennlinie hauptsächlich in ihrer Mittel- und Endprogression verändert werden. Auf den Spacern steht Fox 36, allerdings sind sie lila anstatt orange und etwas schmäler als die bekannten orangen, also nicht mit den alten kompatibel. Benötigt man mehr, sollte man nach der Teilenummer 234-44-079 shoppen. Je nach Federwegs-Variante kann man bis zu acht Spacer hinzufügen.

Mit 2.264 Gramm Gewicht bei ungekürztem Steuerrohr ist die Z1 zwar nicht die leichteste Gabel ihrer Kategorie, von einem Schwergewicht kann aber absolut nicht die Rede sein. Interessant, dass trotz weitaus massiverem Chassis als beim Z1-Original die Gabel gerade einmal knappe 200 g mehr wiegt.

Die Z1 ist für 29" bzw. 27,5"+ mit 130 bis 170 mm Federweg, für 27,5" von 150 bis 180 mm (bei beiden jeweils in 10 mm Schritten) in den Farben rot oder matt schwarz erhältlich. Der empfohlene Verkaufspreis liegt bei attraktiven € 899,-.

Im Gebüsch

Folgt man den Setup-Empfehlungen von Marzocchi, muss man entweder vom Rennfieber gepackt sein oder zum Frühstück gern von kleinen Hausdächern droppen, um der Z1 ihre Federwegsreserven zu entlocken. Um ein komfortables, händeschonendes Setup zu erlangen, musste ich den Luftdruck zumindest in meinem Fall sehr viel weiter als empfohlen reduzieren.

Grundsätzlich kann man bei der Abstimmung der Z1 allerdings nicht viel falsch machen. Einfach den Rebound setzen und den Kompressionshebel - der leider keine Rasterung aufweist, was die Funktion allerdings nicht beeinträchtigt - auf die gewollte Position drehen, und schon geht die Post ab.
In meinem Testmodell waren zwei Volumen-Spacer bei der 170 mm Federwegsvariante installiert. Dies erwies sich zumindest für meinen Fahrstil als ausgewogene Wahl, um den Federweg mit recht wenig Luftdruck im Normalfall gut nutzen zu können, und dennoch ausreichend Durchschlagschutz vorzufinden.

Die Bremsbrücke, der man eine klassische M-Form andichten könnte, bietet massenhaft Platz für dicke Reifen. Obwohl die 29"-Variante auch für Plus-Bereifung freigegeben ist, würde das 27,5"-Modell meines Erachtens nach locker einen 27,5 x 2,8" Reifen vertragen. Bezüglich Garantiebestimmungen und unterschiedlichen Maßen verschiedener Reifenhersteller ist diese Aussage natürlich mit Vorsicht zu genießen. Ein 2,6er von Maxxis hatte auf alle Fälle mehr als ausreichend Platz, um selbst bei den wildesten Gatsch-Partien nicht ins Stocken zu geraten.

Muss das Vorderrad entfernt werden, ist der Schnellspanner aufgrund des Führungsschlitzes am Klemmring etwas fummeliger, als manch andere Lösung, aber im Endeffekt ist er simpel aufgebaut und klemmt dauerhaft fest, ohne ihn mit brachialer Gewalt zuklemmen zu müssen.

Trotz ihrer eindeutigen Auslegung zum Bergabheizen zeigt sich die Z1 überraschend wipp-resistent beim Bergauffahren. Die stufenlose Regelung lässt jede Abstufung bis zum beinahe völligen Lockout zu; lediglich die ersten 1 bis 2 mm Federweg geben dann nach, bis die Gabel nur mehr äußerst schwer zu komprimieren ist. Wer sich also von seiner Gabel schon beim geringsten Mucks in seiner Tretarbeit gestört fühlt, kann sie jederzeit ruhig stellen.

Die originale Bomber Z1 war für damalige Verhältnisse überdimensioniert, supersensibel und verlässlich. Auch wenn die einstige Technologie mit der heutigen nicht wirklich vergleichbar ist, hat die neue Z1 in den Köpfen jener, die sich überhaupt noch an das Modell erinnern können, große Schuhe zu füllen.
Die neue Marzocchi Z1 lässt allerdings schnell wissen, dass sie sich den Namen redlich verdient. Sensibles Ansprechverhalten: check. Hohe Steifigkeit: check. Hohe Schluckfreudigkeit: check.
Es bedarf nicht unbedingt einer goldenen Beschichtung der Tauchrohre, damit die Gabel bereits auf Kieselsteine reagieren kann. Auch die schwarze Kleidung der Z1, zusammen mit der Evol-Kammer und dem Grip-Dämpfer, lassen die Gabel in den meisten Situationen effizient dem Untergrund folgen.

 Richtig harte Schläge bei hoher Geschwindigkeit schnupft die Z1 mit Gutmütigkeit weg. 

In einem Blindtest mit manch teurerer Federgabel würde man sich schwer tun, den Preis der Z1 zu erraten.

Auch wenn sich die Z1 als eher erschwingliches Modell im High-End Markt sieht, muss man schon im Detail suchen, um Schwächen gegenüber der Konkurrenz zu finden. In beinahe jeder Lebenslage behält sie überzeugende Kontrolle bei der Linienwahl. Dabei steht sie richtig hoch im Federweg.
Wer dieses Gefühl sogar noch verstärken will, kann den Kompressionshebel eine Spur zudrehen, dann taucht man selbst in Steilsektionen nur unmerklich ab. Mehr Kompression geht bei Grip Sweep mit steigender Stufe allerdings zu Lasten der Feinfühligkeit, bzw. werden Schläge etwas ungefilterter an den Fahrer weitergegeben.

Richtig harte Schläge bei hoher Geschwindigkeit schnupft die Z1 mit Gutmütigkeit weg. Nur bei sehr schnell aufeinanderfolgenden Schlägen kann die Z1 nicht ganz mit den besten der besten und deren fast vollständiger Dezimierung aller Unebenheiten mithalten. Dennoch will ich die Federungs- und Dämpfungsqualitäten nicht großartig schmälern. Selbst im Bikepark macht die Z1 auch in tiefen Bremsrillen keine Zicken und lässt den festen Halt am Lenker auch nach längerer Tortur zu.

Um ihren Freeride-Wurzeln ebenfalls gerecht zu werden, macht der verwindungssteife Weichmacher auch bei hohen Drops und harten Landungen nicht schlapp.

Fazit

Marzocchi Z1
Modelljahr: 2019
Testdauer: 3 Monate
+ Attraktiver Preis
+ Performance kann mit manch teurerer Gabel mithalten
+ Simples Setup
+ Variierbare Endprogression
+ Einstellbare Federkennlinie
+ Relativ leicht
+ Sehr steif
o Eine Spur schwerer als manche Konkurrenzmodelle
o Simple Dämpfungseinstellung
BB-Urteil: Einfaches Setup und durchgehend überzeugende Federungsperformance in einem attraktiven Preispaket


In einem Blindtest mit manch teurerer Federgabel würde man sich schwer tun, den Preis der Marzocchi Z1 zu erraten, spielt sie mit ihrer Funktion in hartem Gelände doch relativ problemlos in der hochrangigen Liga mit. Vor allem wenn es richtig hart zur Sache geht, macht die Z1 aus großen Steinen kleine Probleme, bei harmonischer Federungsperformance in verschiedensten Situationen.

Die Unterschiede liegen im Detail. Erst auf höherer Ebene lässt sich feststellen, dass Grip Sweep nicht ganz so reaktionsfreudig auf sehr schnell aufeinanderfolgende Schläge folgen kann, wie es zum Beispiel der weitaus teurere Grip2-Dämpfer von Fox draufhat, und spürt man am Ende eines langen Tages im Bikepark dementsprechend die Schwielen an den Händen vielleicht etwas mehr.

Tüftler sind zwar etwas limitiert mit einfacher Zug- und Druckstufenverstellung (obwohl anderen genau das ihr Setup-Leben vermutlich deutlich vereinfacht), die Federkennlinie kann trotzdem intern über Volumen-Spacer angepasst werden - top.
Ob die Federgabel in diesem Segment 100 g mehr oder weniger wiegt, wird den meisten vermutlich egal sein.

Die Marzocchi Z1 ist also eine gute Wahl für Fahrer, die sich nicht gerne viel Gedanken um ihr Equiment machen wollen und im gleichen Atemzug eine simple Abstimmung bevorzugen, sowie Fahrer, die Wert darauf legen, jeden erdenklichen Blödsinn schnell fahren oder hoch springen zu können, ohne hierfür ihr Sparschwein zur Schlachtbank führen zu müssen.


Ergebnis 1 bis 2 von 2
  1. #1
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    Test: Marzocchi Z1 MY2019

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  2. #2
    Bird of Prey Avatar von prolink88
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    Beiträge
    927
    hatte füher auch ne Z1 war das Mass der Dinge damals. ging sagenhaft

    was mich gerade gewundert hat ist das der Schnellspannhebel auf der Scheibenbremsseite liegt
    früher war das ein NoGo. zitat "Der Hebel wird von der Bremse so heiß das man ihn nicht angreifen kann". was für ein Blödsinn

    eijo nochwas. "mit 100mm ist es unmöglich bergauf zu fahren"
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