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Alpenheat Fire-Socks RC

Alpenheat Fire-Socks RC

10.01.20 13:29 3.234Text: NoPainFotos: Erwin HaidenNie wieder kalte Füße: Test der beheizten Wollsocken aus Österreich mit kräftigen Li-Ion-Akkus für eine lange Heizdauer.10.01.20 13:29 3.234

Alpenheat Fire-Socks RC

10.01.20 13:29 3.234 NoPain Erwin HaidenNie wieder kalte Füße: Test der beheizten Wollsocken aus Österreich mit kräftigen Li-Ion-Akkus für eine lange Heizdauer.10.01.20 13:29 3.234

Ich zitiere mich selbst: "Kalte Füße können so einiges auslösen - von Unbehagen über Schmerzen bis hin zu Erkältungen. Denn durch das Auskühlen der Füße ziehen sich unter anderem die Blutgefäße der Nase zusammen und bieten den Erkältungsviren, die ohnehin ständig vorhanden sind, leichtes Spiel."
Review Thermopad Zehenwärmer, Dezember 2014

Kalte Füße sind beim Radfahren im Winter leider vorprogrammiert und machen, je nach Durchblutung und persönlichem Kälteempfinden, dem einen mehr, dem anderen weniger zu schaffen. Ich kämpfe schon seit jeher mit "eingefrorenen" Zehen bei niedrigen Temperaturen, kam aber in den letzten Jahren mit den Thermopad Zehenwärmen bis knapp unter Null Grad recht gut über die Runden. Leider änderte sich das vorigen Winter - wohl dem fortschreitenden Alter oder einem kapitalen Nervenschaden im linken Fuß geschuldet - und da waren sie wieder, meine Probleme: unterkühlte Fußsohlen und Zehen mit partieller Gefühlslosigkeit sowie elende Schmerzen in der Auftauphase. In weiterer Folge verbrachte ich mehr Zeit auf meinem KICKR, als mir eigentlich lieb war.

Für diesen Winter hatte ich mir allerdings einiges vorgenommen. Generell wieder mehr Outdoor fahren und drei Laufradkonzepte auf meinem neuen Gravelbike mit unterschiedlichen Reifen testen. Aber schon während der ersten LSD-Rides um die null Grad machten mir meine Füße einen Strich durch die Rechnung. Und hätte mir mein Freund Arthur, selbst ein begeisteter aber ebenfalls kälteempfindlicher Winterbiker, nicht den Tipp mit den beheizten Wollsocken gegeben, ich hätte mich wohl wieder bis März auf den KICKR zurückgezogen.

Alpenheat Fire-Socks RC

Modellbezeichnung AJ27-RC Heizsocken Fire-Socks RC
Material 74% Wollgarn, 10% Kupferfasern, 8% Elasthan, 8% Elastik
Eingewebte Kupferfaser zur Reduktion von Bakterien
Heizelement Carbon Heizelement unterhalb der Zehen, 3 Heizstufen
Akkus Zwei wiederaufladbare Hochleistungs-Li-Ion Akkus 3,7V / 2,4 Ah / 8,9Wh (55x86x11 mm)
Größen Unisex: Small (36-38), Medium (39-41), Large (42-45), X-Large (46-48)
Ladezeit/-gerät Ladezeit 4 Stunden, USB Y-Adapter Kabel, 5V und 1000mAh Ausgangsspannung
Heizdauer 4-8 Stunden (je nach Heizstufe)
Gewicht 324 g (Paar Socken Large, Akkupacks, Fernbedienung)
Lieferumfang 1 Paar beheizte Socken (AJ21), 1 Ladegerät (LG18), 2 Akkupacks (BP18), 1 Fernbedienung (AC18)
Preis € 189,95 UVP

Funktionsweise

Die beheizbaren Socken des österreichischen Herstellers Alpenheat bestehen zu 74% aus Wollgarn, zu 16% aus Elasthan/Elastik und - im Gegensatz zu den etwas günstigeren Baumwollsocken - zu 10% aus Kupferfasern. Diese speziellen Kupferfasern hemmen nicht nur das Wachstum von Bakterien und schützen deshalb vor unangenehmen Gerüchen, sie sollen auch gleichzeitig die Lebensdauer der Socken erhöhen. 

Unterhalb der Zehen befinden sich die Heizelemente aus Carbon, welche über zwei flache Hochleistungs-Li-Ion Akkus mit je 8,9Wh betrieben werden und für wohlige Wärme im Zehenbereich sorgen. Die Akkus können mittels USB-Adapter oder dem mitgelieferten Steckernetzteil in etwa vier Stunden vollständig aufgeladen werden und lassen sich während des Einsatzes relativ platzsparend und sicher in den dafür vorgesehen Seitentaschen, außen an den Sockenbünden verstauen. Die Heizdauer beträgt zwischen vier und acht Stunden - je nach verwendeter Heizstufe (High, Medium, Low). 

Die hier vorgestellten Alpenheat Heizsocken RC (Radio Control) aus Wollgarn kosten 189,95 Euro, sind in vier Größen erhältlich und werden mit zwei flachen Akkupacks, einem Dual-Ladegerät und der Funkfernbedienung inkl. einer Ersatzbatterie geliefert.

Wer auch mit Baumwollsocken ohne Kupferfasern oder mit etwas klobigeren Akkupacks ohne Fernbedienung leben kann, findet drei günstigere Alternativen im Alpenheat Online Shop,

Praxistest

Voller Vorfreude lud ich nach dem Erhalt des Pakets die Akkus an der Steckdose vollständig auf und wollte die Socken gleich mal in der Wohnung testen. Aber selbst nach wenigen Minuten konnte ich keine großartige Wärmeentwicklung feststellen und so machte ich mich an die Fehlersuche. Die Akkus waren ordnungsgemäß angesteckt, die Anzeige leuchtete stetig, beide Schalter standen auf "On" und die Aktivierung per Funkfernbedienung wurde mit einem blinkenden blauen Licht an den Akkus bestätigt. Eigentlich alles richtig gemacht, und doch fühlten sich die Füße keineswegs wärmer an als mit gewöhnlichen Wollsocken, und von einer signifikanten Heizleistung konnte keine Rede sein. Doch ein Userfehler, eine mickrige Leistung wie von so mancher Einlegesohlen mit integriertem Akku oder gar ein defektes Produkt?

Nach der ersten Ernüchterung gab ich den Socken am nächsten Tag mit einem Outdoor-Einsatz ihre zweite und letzte Chance. Beim Anziehen bemerkte ich erstmals den Elektrodraht, der im Socken von der Akkutasche die Seite entlang bis zur Zehenspitze verläuft. Obwohl dieser nicht besonders stört, empfielt es sich dennoch, ihn bewußt um den Knöchel herum zu führen, damit der Schuh später nicht drückt. Die Akkus selbst trugen dann doch ein wenig auf, weshalb die Socken unbedingt richtig (links/rechts) getragen werden sollten, so dass die Batterien nach außen wegstehen können. Akkus auf "On", rein in normale MTB Schuhe mit Überschuhen, Aktivierung der Heizsocken auf Stufe "Medium" und ab die Post bei minus zwei Grad. Die Wollsocken waren selbstverständlich dicker als gewöhnliche Baumwoll-Wintersocken, fielen aber keineswegs so üppig aus wie Omas Stricksocken. Ich hatte also keine Probleme damit, dass sich die Schuhe zu eng anfühlten oder drückten. Beim Wegfahren waren die Füße angenehm warm.

Nach etwa einer halben Stunde meldeten sich erstmals die Finger zu Wort. Erst kalt, dann schmerzend und zu guter Letzt taub an den Spitzen. Zu meiner großen Überraschung waren die Füße aber nach wie vor warm und blieben das auch bis zum Ende meiner zweistündigen Graveltour. Definitiv lag dies an den Heizsocken, wenngleich ich hätte lügen müssen, dieses Mal ihre Heizleistung in irgendeiner Art und Weise signifikant wahrgenommen zu haben. Die ordnungsgemäße Funktion war einzig an den leuchtenden Lämpchen und eben an den warmen Füßen zu registrieren.

Tag drei sollte Gewissheit bringen und so plante ich eine längere Rennradtour bei minus fünf Grad durch die oberösterreichische Winterlandschaft mit dem gleichen Equipment: Akkus voll aufgeladen, MTB Sommerschuhe, Castelli Winter-Überschuhe und Heizleistung auf "High". Insgesamt war ich mit dem Zusammenbau des Rads, dem Ankleiden, der Radtour selbst und dem Verladen des Bikes im Auto knapp vier Stunden der Kälte ausgesetzt und siehe da: beim Umziehen begann einer der Akkus rot zu blinken und signalisierte damit seinen niedrigen Ladezustand. Was aber abgesehen von der maximal möglichen Heizleistung über fast vier Stunden noch viel wichtiger war: Die Füße blieben trotz minus Fünf, dem Windchill und der hohen Luftfeuchtigkeit angenehm warm. Vom Anfang bis zum Ende.

Fazit

Alpenheat Fire-Socks RC
Testdauer: > 200 km, 5 Ausfahrten
+ Hoch geschnitten und generell warm
+ Gute Wärmeleistung
+ Lange Wärmedauer
+ Strickwolle statt Baumwolle
+ Kupferfasern vermeiden Gerüche
+ Guter Komfort trotz Kabel und Heizelementen
+ Transportfächer für Akkus
o Kaufpreis
o Akkupflege
- Reinigung nur von Hand
Preis: € 189,95
BB-Urteil: Premium-Lösung für warme Füße an eisigen Tagen.


Wenngleich man sich von der eigentlichen Heizleistung keine Wunder erwarten darf, funktionieren die Heizsocken so einfach wie effizient: Nach dem Aktivieren mittels der Fernbedienung steht schon wenige Minuten später die eingestellte Heizleistung zur Verfügung und erfreut den Träger mit angenehm warmen Zehen und Fußballen. Die Socken reichen bis knapp unters Knie, fallen trotz des Wollgarns nicht zu dick aus und sollten problemlos in normal geschnittene Radschuhe passen. Die Verkabelung und die an der Unterseite der Zehen integrierten Heizelemente sind zwar spürbar, fallen aber, sobald man in die Radschuhe geschlüpft ist, nicht mehr unangenehm auf. Besonders praktisch ist auch die Möglichkeit, die Heizsohlen unterwegs per USB (z.B. im Auto oder mit einer Powerbank) aufzuladen.

In unseren Tests hielt die Wärmeleistung in der höchsten Stufe selbst bei Außentemperaturen zwischen -5 und 0°C und bei flotterem Rennradtraining etwas über 3,5 Stunden an, bis sich die Akkus erstmals zu Wort meldeten. Die Füße waren dabei vom Anfang bis zum Ende 100%ig warm und an so manchem Anstieg war es vielleicht sogar schon etwas zuviel des Guten. Eine bessere Heizeffizienz lässt sich mit Winterradschuhen und besonders winddichten Überschuhen erzielen.

Neben der kostspieligen Erstanschaffung gibt es allerdings noch zwei weitere systembedingte Nachteile. Erstens der richtige Umgang mit den teuren Li-Ion-Akkus. Zwar sind diese nicht so empfindlich wie man denkt, aber ein ständiger Ladezustand zwischen 30 und 70 Prozent und die richtige Lagerung bei Temperaturen zwischen 0 und 15 Grad erhöhen ihre Lebensdauer, während sich dauerhaft hohe Ladezustände und das vollständige Entladen schädlich auswirken.
Und zweitens dürfen die Socken konstruktionsbedingt nur vorsichtig per Hand gewaschen werden. Allerdings sind sie dank der Kupferfasern glücklicherweise nicht so empfänglich für üble Gerüche und müssen deshalb nicht nach jeder Ausfahrt gereinigt werden.

Homepage und Online-Shop


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Ergebnis 1 bis 3 von 3
  1. #1
    Admin Avatar von NoPain
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    Alpenheat Fire-Socks RC

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  2. #2
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    Interessantes Produkt. Hätte mir sicherlich mein Festive500-Programm etwas angenehmer gestaltet. Trotz Winterschuhe fing ich dieses Jahr nach 1-2 Stunden immer an an die Füsse zu frieren.

  3. #3
    Admin Avatar von NoPain
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    Interessantes Produkt. Hätte mir sicherlich mein Festive500-Programm etwas angenehmer gestaltet. Trotz Winterschuhe fing ich dieses Jahr nach 1-2 Stunden immer an an die Füsse zu frieren.
    Wenn deine Schuhe nicht zu eng sind, ... eine klare Empfehlung. Zwecks Komfort würde ich auf jeden Fall die teueren Socken mit den schmalen Li-Ion Akkus nehmen. Die Socken kann man auch sehr gut zum Wandern, Motorradfahren oder beim Winterspaziergang nehmen. Sind Punschstand-approved. ;-)